“Reich Gottes? Hä?”

 – unter diesem Thema hatte die JungeKirche Belecke (JuKi) am Samstag, 12. Juni, zum Jugendgottesdienst eingeladen, der als Open-Air-Gottesdienst auf dem Kirchplatz der Heilig-Kreuz-Kirche gefeiert wurde. Ausgehend vom Evangelium, in dem Jesus das Reich Gottes mit einem Senfkorn beschreibt, fragte sich das Team der JuKi, was “Reich Gottes” konkret und in der heutigen Zeit bedeutet. Zugleich formulierten Sie den Wunsch, dass die Kirche in modernerer und verständlicher Sprache formulieren sollte. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der JuKi-Band begleitet.

Der nächste JuKi-Gottesdienst ist am Samstag, 28. August, mit dem die JuKi Belecke gleichzeitig ihr 10-jähriges Bestehen feiert.

Text: Anja Werthmann
Bild: Matthias Leifeld

Trotz Coronapandemie Belecker Böllern an der Mühle – Jungkanoniere stehen bereit

1448 um fünf Uhr am Mittwoch vor Pfingsten stürmten die Soester die durch eine Mauer geschützte Stadt Belecke auf dem Propsteiberg. Bürgermeister Wilke wurde beim Angriff getötet doch der Angriff wurde abgewehrt und die Söldner zogen geschlagen weiter. Dieses Ereignis vor 573 Jahren wird in Belecke mit dem Sturmtag gefeiert. Dann schiessen die Sturmtagskanoniere mit ihrer Drillingskanone im Viertelstunden Takt und erinnern alle Belecker an diese Begebenheit. 

Für diesen reibungslosen Ablauf sind die Kanoniere unter der Leitung von Adalbert Friederizi verantwortlich. Sie machen es immer wieder gerne und freuen sich, wenn sie ihre Kanone in Stellung bringen dürfen, wenn es nach Schwarzpulver riecht, wenn die Hände schwarz sind, wenn sich überall Qualm breitmacht und aus den Kanonenrohren der Feuerstrahl schiesst. Diesem Brauch gehen die Männer seit 33 Jahren nach und denken daran, dass jüngere Kanoniere dieses wichtige Ehrenamt übernehmen sollten. 

Der erste Schuss aus der Drillingskanone um fünf Uhr!

Dazu bedurfte es keiner Werbekampagne. Schon vor drei Jahren gingen Henrik Schroeck und Till Schenuit in die Lehre. Im vergangenen Jahr zeigten Christian Stemper, Carsten Krajewski, Jendrik Loewe, Matthias Sellmann, Andre Matthiä und Jan Jobmann ihr Interesse am Böllern. Der Termin für einen Lehrgang stand fest. Doch leider kam die Coronapandemie dazwischen und alles wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun beteiligten sie sich beim Böllern an der Mühle um zu lernen. Immer unter Aufsicht eines erfahrenen Alt-Kanoniers dürfen sie das Schwarzpulver in die Kanone einfüllen und eine kleine Kanone elektrisch zünden. Für alle ein gutes Gefühl. „Wir möchten Heimat, Kultur und Tradition aufrechterhalten“, so Matthias Sellmann, der zusammen mit seinen Jung-Kanonieren, jetzt im neuen Kanoniers-Poloschirt auf den ersten richtigen Schuss wartet. Es gebe nicht nur Nachtwächter und Schützen, die Sturmtagskanoniere gehören ebenso dazu, führte er weiter aus. Sobald es wieder möglich ist möchten sie ihren eintägigen Lehrgang bei einem berechtigten Sprengmeister ablegen. Der Lehrgang schliesst mit einer Prüfung und dazugehörigem Zeugnis ab. Dann dürfen sie Hand-, Standböller und Böllerkanonen schiessen. Aber oberstes Gebot ist immer die Sicherheit beim Ausüben ihres Hobbys. 

Jung-Kanoniere: Carsten Krajewski, Jendrik Loewe, Jan Jobmann, Matthias Hellmann und Andrer Matthiä, Christian Stemper und Till Schenuit fehlten aus beruflichen Gründen nach dem Böllern, Henrik Schroeck fehlte zum Fototermin. 
Bis sie richtig Böllern dürfen, müssen sie erst lernen und eine Prüfung ablegen, Jendrik Loewe mit einem Fachkundebuch.

Zum zweiten Mal fand das traditionelle Sturmtagsböllern an Stütings-Mühle ohne Publikum statt. Nur eingeladene Gäste, dazu gehörte der erweiterte Vorstand des Kultur- und Heimatvereins Badulikum, Stadtvertreter, die Kanoniere und Nachtwächter. Alle mit gültigem und negativem Corona-Schnelltest. Um fünf Uhr, es war noch dunkel und im Westertal hatte sich dichter Nebel bereitgemacht, waren die ersten Salutböller unüberhörbar zu vernehmen. Gleich mehrere Echos waren zu hören und anschliessend drei dumpfe aber starke Böller aus der Drillingskanone. Dann folgten alle 15 Minuten weitere Böller bis um acht Uhr. 

Stopfen der Kanone: Erwin Grewe (l.) und Andres Farke (r.) erklären Henrik Schroeck die genaue Vorgehensweise. 
Um acht Uhr der letzte Schuss aus der Kanone.

Doch bedingt durch die Pandemie fehlte allen das traditionelle Zusammensein, das gemeinsame rustikale Frühstück, das plaudern mit Freunden und die Zusammenkunft mit den Soestern Freunden, die einst die Altstadt überfallen wollten. Es war bisher immer wieder imposant, wenn die Damen und Herren in ihren mittelalterlichen, bunten Gewändern kamen, sie standen sofort im Mittelpunkt und waren immer begeistert vom Belecker Sturmtag. Diesmal war es ganz anders. Alle Teilnehmer trugen Mund-Nasenmaske, hielten Abstand. Jeder war vorsichtig. Nach dem Sturmtagsböllern besuchten die Teilnehmer die Sturmtagsmesse in der Heilig-kreuz-Kirche und so klang der 573. Sturmtag aus.

(msp)

Katholische Kirchengemeinden im Pastoralen Raum mit neuer, gemeinsamer Homepage online

Vor ca. 2,5 Jahren wurde der Pastorale Raum Warstein aus den beiden ehemaligen Pastoralverbünden Möhnetal und Warstein gegründet. Nun erfolgt dieser Zusammenschluss unter www.katholisch-in-warstein.de auch digital. Dass dies etwas später passiert, hat seinen Grund. Mittlerweile erfolgt der Zugriff auf Websites zu ca. 75% von mobilen Endgeräten aus. Diesem veränderten Nutzungsverhalten von Besuchern wollte das Redaktionsteam aus ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden Rechnung tragen und entschied sich für das Redaktionssystem, das das Erzbistum Paderborn angekündigt hatte und seit ca. einem halben Jahr für Pastorale Räume bereitstellt. Dieses System ist besonders für mobile Endgeräte geeignet.

Nachdem das Redaktionsteam sich mit der neuen Technik vertraut gemacht hatte, folgte die inhaltliche Konzeption und der Aufbau der Seite. „Mit den neuen technischen Möglichkeiten haben wir der Seite eine ansprechende und frische Struktur gegeben. Dabei haben wir alte und bewährte Inhalte übernommen sowie Neues ergänzt“, so fasst Pfarrer Markus Gudermann die Arbeit des Redaktionsteams der vergangenen Wochen zusammen. „Wir wünschen viel Freude beim Surfen auf unserer Seite und freuen uns über Ihr Feedback!“

www.katholisch-in-warstein.de

Impuls-Gottesdienste zum Thema Gerechtigkeit

Die „Faire Gemeinde St. Pankratius Belecke“ lädt in der Zeit um Pfingsten zu zwei „Impuls-Gottesdiensten zum Thema Gerechtigkeit“ ein. Im Mittelpunkt der beiden Gottesdienste stehen die Enzykliken von Papst Franziskus. Am Freitag vor Pfingsten, 21. Mai, spricht Monsignore Ullrich Auffenberg über die Enzyklika „Laudato si‘ – über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Papst Franziskus hat sie 2015 im dritten Jahr seines Pontifikates zum Themenkomplex „Umwelt und Entwicklung“ veröffentlicht.

Im Oktober 2020 hat der Papst eine weitere Enzyklika veröffentlicht: „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft.“ Im achten Jahr seines Pontifikates schreibt Franziskus aus christlicher Sicht über eine globale Neuorientierung nach der Corona-Pandemie. Diese Enzyklika steht am Freitag nach Pfingsten, 28. Mai, im Mittelpunkt des Impuls-Gottesdienstes mit Bruder Joachim Wrede, OFMcap.


Die Gottesdienste beginnen jeweils um 19 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche in Belecke. Als Faire Gemeinde St. Pankratius Belecke möchten wir hierdurch weitere Impulse für Gerechtigkeit setzen.

Zu den Predigern:
Ullrich Auffenberg, geboren 1949, seit 2020 im Ruhestand und Subsidiar im Pastoralen Raum Büren. Davor war er u. a. Referent beim Diözesan-Caritasverband, Priester am Möhnesee („Kirche am See“), Leiter der Bildungsstätten Hardehausen und St. Bonifatius in Winterberg-Elkeringhausen.

Joachim Wrede, geboren 1954 in Warstein, seit sieben Jahren Einsiedler und Kontemplationslehrer in Schliprüthen bei Finnentrop. Er ist Mitglied des Kapuzinerordens, einer Gemeinschaft im Gefolge des hl. Franz von Assisi.  In den Kapuzinerorden trat er 1976 in Münster ein und wurde 1983 zum Priester geweiht. Etwa 14 Jahre lang war er im Missionseinsatz in Mexiko. 

Text und Bild: Anja Werthmann
Plakat: Ina Jesse

Generalversammlung der GBK wird verschoben

Die für den 08. Mai 2021 geplante Generalversammlung der Großen Belecker Karnevalsgesellschaft kann an diesem Tag auf Grund der Corona bedingten Einschränkungen nicht durchgeführt werden. Sie muss auf einen späteren Termin verschoben werden. Sobald die Rechtslage die Durchführung ermöglicht, wird ein neuer Termin bekannt gegeben. Präsident Christoph Sellmann und seine Vorstandskollegen bitten um Verständnis! 

Hamecketal hat sich völlig verändert!

Im Tal fließt die Hamecke, am Horizont der Waldweg in Verlängerung der Hirschberger Straße.

Nichts als gefällte Bäume, aufgestapelte Baumstämme und ein Ausblick, den man bis vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten hat. Dieses erschreckende Bild erkennt jeder Betrachter, wenn er in Verlängerung der Hirschberger Straße nach einigen hundert Meter nach links blickt. Ein freier Blick ins Hamecketal. Wenn er nach fast einem weiteren Kilometer, kurz vor der Schutzhütte am Handweiser nach links abbiegt, an einer schon vor vielen Jahren gefällten Buch vorbei, die sich die Natur schon zu Eigen gemacht hat und ein kleines Biotop für Klein- und Kleinsttier entstanden ist.Darüber liegt eine mächtige Buche, sie ist wohl erst vor einigen Monaten umgestürzt. Ein riesiger Wurzelteller mit unzähligen Verwurzelungen, ähnlich einem Labyrinth ist zum Vorschein gekommen. Schon nach wenigen Metern gabelt sich ein Waldweg. Hier geht es entweder Richtung Warstein und Romecke oder in die Richtung des Hameckeweges. Und genau an dieser Stelle sieht man das Tal der Hamecke. Bis vor einigen Monaten noch plätscherte der Bachzwischen Moosen, Sträuchern, durch Schatten von unzähligen Fichten, einigen Buchen und Eichen. Jede Fichte ist jetztgefällt, nur noch vereinzelt steht eine Birke oder eine Kiefer wie verloren in der Landschaft. Jetzt, bei so einem Anblick denkt keiner an das Hameckeweib, das der Sage nach, hier gelebt haben soll. Eine Landschaft in der es scheinbar kein Leben mehr zu geben scheint. Alles Tod, nur abgesägte trockene Äste, Fichtennadeln, vertrocknetes Gras und stehengelassene Baumstämme. Sie wirken wie Mahnmale. Und hier soll in den nächsten Jahren wieder ein Wald entstehen, kaum vorstellbar. 

Noch liegen die Baumstämme in Reihen auf dem Waldboden…
…und schon ist ein bisschen Grün zu sehen.
Unzählige Festmeter Holz wartet auf die Verladung.
Das Tal der Hamecke.
Vereinzelt stehen noch Laubbäume.
Im Hintergrund war ein dichter Fichtenwald.
Der Hameckeweg, links sind die Häuser von Eichenweg und Hamacherring zu erkennen.

Doch schon einige Flächen sind eingezäunt und junge Buchen stehen hier in Reih und Glied, warten auf Regen und warmes Wetter. Jeder Waldbesucher hofft, dass die Landschaft in den nächsten Wochen wieder in einem zarten Grün zu erleben ist. 

Nach einer weiteren Abbiegung ist ein Teil des Hamacherrings, des Eichenwegs, die Belecker Altstadt, das Industriegebiet Nord und die vielen Windräder zu sehen. Es sollte sich jeder einmal die Zeit nehmen und hier einen Spaziergang unternehmen. 

Text und Fotos: Michael Sprenger

Belecke 1961 – hohe Gewerbesteuereinnahmen

Belecker Busbahnhof

1961 besuchte ein Kamerateam des Senders Freies Berlin drei Tage lang Belecke, um über die eigenständige Stadt an Möhne und Wester einen Dokumentarfilm zu drehen. Einen Film der die Besonderheiten Beleckes widerspiegelt. Eine Stadt mit Idylle und Industrie, Romantik und solidem Reichtum, bäuerliche Lebensart und kulturellem Ehrgeiz. 

Lanfer und die ehemalige Lehrwerkstatt der Siepmann-Werke

Der Sellerberg war noch nicht bebaut, Lastkraftwagen beladen mit Steinen aus Warstein, fuhren zum Leidwesen der Belecker mitten durch die Innenstadt. Mehrmals täglich versperrten Eisenbahnschranken am Wasserturm und an Stütings-Mühle die Weiterfahrt. Zig Muldenkipper, voll beladen mit Kalksteinen aus Warsteiner Steinbrücken, gezogen von Dampflokomotiven, transportierten diese in die nahen Zementwerke nach Erwitte und Beckum oder zur Weiterverarbeitung in die Industriemetropolen. Schmiedelärm von der Gesenkschmiede der Siepmann-Werke taten ihr übriges dazu und unzählige Personenwagen sowie Doppelstockbusse brachten Pendler an ihre Arbeitsplätze und verursachten ebenso Lärm und Schmutz.

Doppeldeckerbus auf der Möhnebrücke, im Hintergrund Haus Plesser, es wurde später wegen Erweiterung der Kreuzung abgerissen.

Doch Idylle war schon einige Meter von der Bundesstraße entfernt zu erleben. Aus heutiger Sicht gehörte das Sägegatter und Getreidemühle von Müller Beda Stüting dazu. Und Zeit zum Plaudern nahm sich Beda Stüting gerne, besonders wenn Bürgermeister Josef Löbbecke zu ihm kam, um ein kleines Pröleken zu halten und Neuigkeiten auszutauschen. Haus Welschenbeck mit seiner parkähnlichen Umgebung am Ortsausgang Richtung Mülheim war für Spaziergänger ein lohnendes Ziel. Für Kinder ein Erlebnis, wenn sie die Enten auf dem Mühlengraben füttern durften. Ebenso gehörten die vielen Wanderwege im nahen Wald dazu. In der Altstadt mit seinen Fachwerkhäusern erlebte das Kamerateam wie ein Leiterwagen mit Heu entladen wurde ebenso spielende Kinder auf den Straßen. Im Konzertsaal der Siepmann-Werke gab es in unregelmäßigen Abständen Sinfoniekonzerte namhafter Künstler meist auch mit Rang. All dies bot Belecke schon vor 60 Jahren seinen Bürgern.

Dampflokomotive mit Steinwaggons an der Bundesstraße 55 zwischen Warstein und Belecke

Doch warum besuchte das Kamerateam des Senders Freies Berlin Belecke? Vielleicht lag es daran, dass der AEG-Konzern bis im zweiten Weltkrieg in Berlin ansässig war, aber dort nicht mehr produzieren konnte? Oder weil in Belecke in den drei Werken, AEG, Gesenkschmiede und Armaturenwerk fast 4000 Männer und Frauen arbeiteten? 

Die AEG, hier boomte es in den 1960er Jahren.

Feststeht, dass nach dem Krieg eine Teildemontage als Reparationsleistung unter der Aufsicht eines englischen Offiziers bei den Siepmann-Werken durchgeführt wurde. Und dadurch standen zwei ehemalige Produktionshallen leer. Wie es der Zufall wollte, suchten zu diesem Zeitpunkt Berliner AEG-Mitarbeiter passende Gebäude, um mit einer neuen Produktion ihrer Halbleiter-Gleichrichter zu starten. Bahnanschluss und die Bundesstraße 55 in unmittelbarer Nähe, alles ideal für einen Produktionsstart. Die Hallen wurden zunächst gemietet und schon einige Jahre später weitere Produktions- und Verwaltungsgebäude gebaut. 1961 arbeiteten dort über 2000 Menschen, mit einem großen Frauenanteil. Großzügig angelegte Parkplätze boten Platz für die Autos der Mitarbeiter, es waren überwiegend VW-Käfer und Ford Taunus. Doch nicht jeder konnte sich von seinem Lohn oder Gehalt ein eigenes Auto leisten. Ein Großteil der Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Nachbarorten kamen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, überwiegend in Doppeldeckerbussen in die Belecker Industriewerke. In dem Film von 1961 heisst es: „Bei den Siepmann-Werken arbeiten eingesessene Westfalen bei der AEG die Zugezogenen aus dem Osten“. 

In diesem Gebäude von Stütings-Mühle war die Getreidemühle untergebracht, 1964 folgte der Abriss.

Doch den Beleckern machten Lärm, Unruhe, Russ und ein endloser Zug von Steintransporten mit großstädtischen Ausmassen ohne Aussicht auf eine Umleitung Sorgen. Trotzdem hatten sie Glück. Belecke war mit seiner Industrie, der AEG und den Siepmann-Werken mit Gesenkschmiede und Armaturenwerk die größten Arbeitgeber in der Westerstadt. Und das verblüffende war, dass hier die Gewerbesteuereinnahmen pro Kopf der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen an zweiter Stelle nach Leverkusen lag. Keine andere Stadt mit so einer geballten Industrie gab es 1961 in Nordrhein-Westfalen. Sicherlich war dies der eigentliche Grund des Senders Freies Berlin Belecke zu besuchen und diesen bis heute beeindruckenden Film zu drehen und für die Nachwelt zu dokumentieren.

Das moderne Verwaltungsgebäude der AEG

Trotz dieser hohen Gewerbesteuereinnahmen stieg es dem Belecker Stadtrat mit seinem Bürgermeister Josef Löbbecke nicht in den Kopf. Sie planten die Bebauung des Sellerbergs und nicht nur die Pendler konnten hier Grundstücke für ein Eigenheim kaufen. Anfang der 1960er Jahre war hier ein wahrer Bauboom für Eigenheime und Mehrfamilienhäuser. Im gleichen Jahrzehnt wurde die Realschule mit Lehrschwimmbecken gebaut, das Freibad in den Möhnewiesen leider geschlossen und die AEG vergrösserte sich stetig. Weil so viele Menschen in Belecke wohnten, war für die Katholiken die Propsteikirche schlicht weg zu klein geworden und so baute man Anfang der 1960er Jahre die Heilig-Kreuz-Kirche an die Linnhoffstraße, heute Adolf-Kolping-Straße. Die Planungen für eine Entlastung der Bahnhofstraße schritten voran, aber mit der endgültigen Umsetzung dauerte es noch weitere 43 Jahre bis der Durchstich zur Freude der Belecker Bürger für Entlastung sorgte. Heute kann sich jeder den Dokumentarfilm auf der Belecker Seite ansehen, einen passenden QR-Code ermöglicht dies sehr schnell

Belecker Freibad an der Mülheimer Straße
Doppeldeckerbusfan Alfred Müller aus Warstein schickte mir dieses Foto zu – DANKE

Text und Repros: Michael Sprenger

Fotos aus der Zeit als es in Belecke noch den Konsum gab

Konsum in der Weststraße, heute Am Propsteiberg um 1907
Vorstand, Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft, um 1907

1927 feierte die Konsumgesellschaft 25-jähriges Bestehen. Vielleicht findet der ein oder andere Belecker auf dem Foto seine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern oder …

Dieses Jubiläum wurde mit einem Fest auf Happen Saal “Zum guten Hirten” gefeiert.
Schulkinder vor dem Kosumgebäude in der Weststraße, in den 1950er Jahren.
Vor dem Konsumgebäude, hier gab es etwas zu feiern, 1950er Jahre.

Wer die mir unbekannten Personen kennt, darf mich gerne informieren: Mail: misprenger@gmx.de

Hier handelt es sich um einen Ausflug mit den Mitarbeiterinnen, dem Vorstand und Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft
einschl. Ehepartner, 1961 oder früher. 

Die Namen der Mitreisenden v.l.:
1 Ursula Wessel (heute Frau Mintert) und
2 Irmgard Hogrebe (aus der Oststraße, heute Böttcherstraße, heute Frau Bunse) beide Lehrlinge, sie gehören zum Jahrgang 1946/47, Schulentlassung 1961.
3 + 4 Clemens Köster mit seiner Ehefrau 
5 Josef Wilmes
6 Hilde Koch, heute Frau Bauer, Heinrich-Kampstraße
7 Ehefrau von Josef Wilmes
8 Gustel Störmann 
9 Kläre Schäfer 
10 Cilli Gauseweg 
11 Xaver Schäfer 
12 Albert Wessel 
13 Franz Krieger
14 Ehefrau von Albert Wessel 
15 + 16 Magarete und Theodor Sprenger
17 Lieschen Hagemann ( Konsums Lieschen)
18 + 19 Franz und Therese Cruse  
20 + 21 Josef und Hedwig Biermann
22 Ehefrau von Franz Krieger
23 + 24 Eheleute Nüse aus dem Teufelsloch

Sondageschnitt auf Acker – keine Hinweise auf „Alten Belecke“

Bei den Sondagearbeiten wurde nichts gefunden.

In den nächsten Wochen soll der Start für die Erweiterung des Industriegebietes Belecke III um einige Hektar in südlicher Richtung beginnen. Doch zu solch einer Baumaßnahme sind die verschiedensten Behörden frühzeitig zu informieren und dabei ist dem Landschaftsverband Westfalen Lippe aufgefallen, dass in diesem Gebiet vor einigen Jahrhunderten, als Belecke noch nicht auf dem Berg angesiedelt war, die Wüstung Alten Belecke gelegen haben soll. Wüstung ist eine ehemalige, aufgegebene oder zerstörte Siedlung oder landwirtschaftliche Nutzfläche. Es obliegt dem Landschaftsverband hier archäologische Untersuchung durchzuführen. Für die Stadt Warstein ist diese Maßnahme mit Kosten verbunden, sie muss diese übernehmen, da es eine klare Vorgabe des Landschaftsverbandes ist.

Robert Gündchen mit dem Plan der vorgegebenen Sondagearbeiten im Bereich der Erweiterung des Industriegebietes Belecke III..

Am vergangenen Montag begannen die Sondagearbeiten mit einem Bagger. Dieser grub zwischen Effelner Weg und Hortweg sieben je 100 Meter lange und sechs Meter breite Vertiefungen, in die mit Getreide bestellte Fläche. Zum Vorschein kamen in diesen 60 Zentimeter tiefen Gräben nur Mutterboden dann folgte eine Lehmschicht mit Steinen. Erst in über einen Meter Tiefe sind Steine und darunter harter Felsen. Robert Gündchen von der Ausgrabungsfirma EggensteinExca aus Dortmund leitete im Auftrag des LWL die Maßnahme: „Wir haben nichts gefunden, nicht einmal eine Scherbe oder vergrabenen Müll und schon gar keine Fundamente“. Auf eine möglichen Wüstung an dieser Stelle gebe es keine Beweise, meinte er. Damit hatte Landwirt Hubertus Jesse, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung Recht, in dem er behauptete: Ich habe schon m8t dem Pflug versucht, aber nichts gefunden“. Nach den Arbeiten wird die Stadtverwaltung offiziell vom Landschaftsverband informiert und erst dann können die Erweiterungsmaßnahmen beginnen.