
Caspar Bracht, Küster, Organist, Dirigent und Ehrenbürger der Stadt Belecke
Über das Leben von Beleckes einzigem Ehrenbürger Caspar Bracht referierte am 7. Mai 2026 Klaus-Arthur Feller. Bracht war vor 57 Jahren verstorben und der Kultur- und Heimatverein Badulikum nahm dieses Datum zum Anlass im Rahmen der Werkstattgespräche zu berichten.
Heimatvereinsvorsitzender Martin Mühlenschulte begrüßte fast 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger in der Propsteikirche, um das Leben und Arbeit von Caspar Bracht zu würdigen. Organist Peter Hunecke spielte als Einführung eines der Lieblingsmusikstücke von Bracht, das Präludium in C-Dur von Johann Ludwig Krebs. Dieses Orgelstück hatte Bracht nach seinen Vorstellungen selbst arrangiert. „Ich habe Bracht persönlich nur als achtjähriger kennengelernt“, berichtete Feller. Doch es gebe viele Geschichten um Bracht, doch seien sie wahr oder nur interessant, fragte er. Seine Informationen über Bracht holte sich Feller aus dem Landesarchiv NRW Duisburg, im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn, Pfarrarchiv Belecke, Stadtarchiv Warstein mit Archivar Dr. Lukas Grawe und dem Deutschen Zeitungsarchiv.
Der Ehrenbürger wurde am 8. Juli 1891 als erstes von sieben Kindern in Sichtigvor geboren, besuchte dort die Volksschule und schon mit 16 Jahren zog es ihn nach Paderborn zur Kirchenmusikschule. Bereits mit 19 Jahrenübernahm er die Küster- und Organistenstelle in der St. Pankratius-Kirche, aber ohne einen Arbeitsvertrag, dieser wurde 20 Jahre lang immer wieder nur mündlich beschlossen. „55 Jahre arbeitete er in seinem Beruf und hatte wohl genug Freizeit, um sich mit anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten zu befassen“, so Feller.
Nach dem ersten Weltkrieg übernahm er 1922 das Dirigat des Männerchores, förderte die Kirchenmusik, engagiertesich im Cäcilienverein und wollte einen Kirchenchor gründen. Er gilt als Gründer des Kolpingorchesters, als er mit nur elf Musikern startete. Gelegentlich spielte er in einem Streichquartett in Rüthen. 1926 engagierte er sich als Heimatforscher und gründete den Verkehrsverein, dem Vorgänger des Kultur- und Heimatvereins, dessen Vorstandmitglied er war. 1927 gab er auf Humperts Saal, angeblich vor über 300 Zuhörern ein Konzert mit Chören und Blasmusik. Im gleichen Jahr wurdr er Kirchenrendant, bei ihm mussten unter anderem die Pächter ihren jährlichen Obolus entrichten. Durch seine Initiative wurde 1932 die Neuerschliessung der Heilquelle am Kaiser-Heinrich-Bad mit notwendigen Arbeiten und Hilfe einiger arbeitsloser Musiker vorangetrieben. Nach über 23 Jahren wurde ihm von der Kirche ein Anstellungsvertrag angeboten, erst jetzt war er Sozialversichert und tritt dem Zentralverband deutscher katholischer Kirchenbeamten bei.

Sein Engagement im Verkehrsverein war immens. Er initiierte Werbekampagnen für das Kaiser-Heinrich-Bad und in den Jahren 1934 bis 1936 kamen über 800 Menschen mit dem Zug nach Belecke zur Sommerfrische. Eine Woche Urlaub mit Wanderungen und Konzerten.
Nach 1945 begann für Caspar Bracht auch der Wiederaufbau. Mit nur sieben Musikern startete er wieder das Kolpingorchester. Anfang der 1950er Jahre wurde das Jugendheim gebaut und Bracht wünschte sich für sein Orchester ein Probenraum. Auch kirchenmusikalisch ging es stetig weiter. „Er gab ein Notenbuch mit 58 Kirchenliedern für Blasorchester heraus. Noch heute findet man es in sehr vielen Kirchen. Ich habe es selbst schon bei verschiedenen Schützenfesten gesehen und danach musiziert, auch heute noch!“, berichtete Feller und freute sich über Brachts Schaffenszeit.
Anfang der 1960er Jahre wollte er zusammen mit Dr. Effenberger und dem Verkehrsverein einen Kurbetrieb am Kallerweg aufbauen. Caspar Bracht war mittlerweile 70 Jahre als und Dr. Effenberger starb plötzlich und so wurde vom geplanten Kurbetrieb Abstand genommen.

Für sein Engagement als Küster und Organist, er feierte 1960 sein50-jähriges Berufsjubiläum, erhielt er 1965 den „hohen päpstlichen Orden“ durch Pastor Josef Müller überreicht. Wenige Wochen später bekam er das Bundesverdienstkreuz und Bürgermeister Josef Löbbecke überreichte ihm die Ehrenbürgerrechte. Er ist der erste und einzige Ehrenbürger der Stadt Belecke.
Noch bis ins hohe Alter unterrichtete er in seinem Haus neben dem Konsum in der Weststraße Musik. Zu seinen Schülern gehörten auch Georg Ortkemper, Theo Krause und Ernst Düppre. Bis 1967 dirigierte er das Kolpingorchester. Am 7. Mai 1969 verstarb Caspar Bracht, sein Grab befindet sich noch heute auf dem Friedhof, dem Ehrengrab. Was von Caspar Bracht bleiben wird ist wohl der Name der Straße die nach ihm benannt wurde. „Kaspar-Bracht-Straße“, leider nicht mit „C“ so wie er sich immer schrieb.

Nach diesem sehr informativen Recherchen von Klaus-Arthur Feller unternahmen die Zuhörer noch einen Gang zu seinem Wohnhaus am Propsteiberg. Die „Waester-Voices“, dem Folgechor des Männerchores St. Pankratius sangen vor dem Vereinslokal „Deutsches Haus“, ehemals „Zum Guten Hirten“ ein traditionelles Lied in Gedanken an Caspar Bracht.
(msp)



