Kommunale Neuordnung. Deutsche Einheit. Zeitenwende

20. Belecker Werkstattgespräch mit Hermann Kroll-Schlüter.

Im 20. Werkstattgespräch des Kultur- und Heimatvereins Badulikum mit Hermann Kroll-Schlüter in der Stadtbücherei Stütings-Mühle ging es um das Thema: „Zivilisation ist Bewegung, nicht Zustand, ist Reise, nicht Hafen“. Und es ging um die Bereitschaft zu Verantwortung. Dabei berichtete der Referent lebendig und voller bleibender Erinnerungen über seine Erlebniswerte aus dem politisch, christlich und gesellschaftlichen Bereichen – und zitierte aus seinen Buch „Aufgeschrieben“ – 50 Reden aus 50 Jahren.

Referent Hermann Kroll-Schlüter beim 20. Werkstattgespräch in der Stadtbücherei

„Unser Leben ist Austausch in Gedanken und Ideen, ist Austausch mit materiellen Gütern. Und immer stellt sich die Frage nach de Sinn des Lebens“, damit begann Hermann Kroll-Schlüter seine Lesung. 

Bereits in der Volksschule interessierte er sich für Geschichte und musste für den damaligen Rektor Brüggemann dessen Manuskripte für den Unterricht neue aufschreiben.  Seit dieser Zeit interessiert sich Kroll-Schlüter für Politik. Bereits 1968 wurde er KLJB- Bundesvorsitzender und die ersten Diskussionen um die kommunale Neuordnung begannen.Er wurde Nachfolger von  Bürgermeister Josef Löbbecke und erklärte in seiner Antrittsrede:Dieses Amt nehme ich nicht widerwillig an sondern bewußt und gerade deshalb spüre ich deutlich in dieser Stunde, die große Verantwortung, die mir zu gefallen ist. Ich nehme sie auf mich als Dienst für alle Bewohner unserer Stadt. 

1974: erster Sturmtag, 25 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und kommende kommunale Neuordnung. „Dies war eine Zeitenwende, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zwang uns dazu größere Gebilde zu schaffen. Wir wollten Entwicklung und Chancen für alle Ortsteile unserer neuen Stadt, und es sei eine neue Stadt Warstein geworden, keine Eingliederung der einzelnen Ortsteile“, berichtete er weiter. Vom 1.1.1975 bis 16.5.1975 gab es keine Stadtvertretung und keinen Bürgermeister. Kroll-Schlüter trat als Beauftragter an dessen Stelle und erst der neue Stadtrat wählte ihn am 4.5.1975 zum ersten Bürgermeister der jungen Stadt Warstein. 

Durch Gespräche mit dem Wiener Kardinal Franz König und dem Prager Kardinal Frantisek Tomasek über Europa ergab sich auch eine Sinndeutung und  Bestimmung über für das neue Wappen der Stadt Warstein.Kroll- Schlüter wörtlich: das Wappen mit Kreuz und Ringen ist ein neues Wappen und stellt auch eine Kontinuität dar. Die neuen Kreise stellen die neuen Stadtteile dar. Sie stellen die Vielfalt und Geschlossenheit dar und das Kreuz, es hat einen vertikalen Balken und einen horizontalen. Der horizontale bedeutet: Weltauftrag, die Welt neu zu entwickeln, zu verbessern. Und das ist ein Auftrag an uns alle. Das Kreuz, dass auch auf die ursprüngliche Zugehörigkeit zu Köln hinweist, stet zunächst als Symbol für die Geschichte unserer Stadt, doch es bedeutet mehr, es weist in die Zukunft. Es begleitet uns in die Zukunft. Wir brauchen diese Begleitung , denn so Kardinal König ohne den Mut zum Kreuz, versteht ihr die Bergpredigt nicht. Ohne den Mut zum Kreuz erkennt ihr die Wahrheit nicht. Ohne den Mut zum Kreuz entfaltet sich euer Leben nicht.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger beim 20. Werkstattgespräch in der Stadtbücherei

Als sich im November 1989 die Mauer öffnete, waren die Deutschen Bürger das glücklichste Volk der Welt. Und jetzt scheint es manchmal so, als hätten die Menschen Sprachschwierigkeiten. Willy Brand habe damals geschrieben: „Unsere Zeit stecke wie kaum eine andere zuvor voller Möglichkeiten, zum Guten und zum Bösen“. Heute stecke die Industrie und Wirtschaft in einer Kosten- und Innovationskrise, die Arbeitswelt in einer Beschäftigungskrise, die Politik in einer Akzeptanzkrise und die Gesellschaft in einer Orientierungskrise“, so Kroll-Schlüter. Mit den Worten: „Wir stehen heute wieder vor großen Herausforderungen. Erst die Vielfalt der Freiheiten und Verantwortlichkeiten, Initiativen und Engagements, Freiwilligkeit und Verpflichtung, also eine verantwortungsreiche Bürgerschaft, halten das Gemeinwesen zusammen“. (msp)

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