5. Belecker Werkstattgespräch

“90 Jahre Belecker Feuerwehr”

Im vergangenen Jahr hat der Kultur-und Heimatverein Badulikum aus Anlass des 1075jährigen Bestehens der Badestadt die Vortragsreihe „Werkstattgespräche“ aufgelegt. Die vier Veranstaltungen fanden großen Zuspruch, so dass sich der Vorstand mit seinem Vorsitzenden Hans-Jürgen Raulf dazu entschlossen hat, zu passenden Gelegenheiten diese Reihe fortzusetzen. Das 5. Werkstattgespräch findet statt am Donnerstag, den 25. September 2014, um 19:30 Uhr in den Fahrzeughallen des Belecker Feuerwehrgerätehauses. Thema ist die Geschichte der Feuerwehr im Wandel der Zeit. Referent wird Kreisbrandmeister Thomas Wienecke aus Anröchte sein. Schon heute lädt der Kultur- und Heimatverein zusammen mit der Belecker Feuerwehr hierzu alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein.

Denn seit nunmehr 90 Jahren heißt es in Belecke „Wasser marsch!“. Die Mitbegründer der ersten Belecker Feuerwehr hatten sich auf ihre Fahne geschrieben, jedermann zu helfen. Und das jedem Bürger in allen Notlagen geholfen wird, haben die Feuerwehrangehörigen bei unzähligen Einsätzen in 9 Jahrzehnten bewiesen. Immer sind alle derzeit 52 freiwilligen Helfer bereit, zum Gemeinwohl der Belecker Bevölkerung und weit darüber hinaus beizutragen. Ihre geleistete Arbeit ist vorbildlich. Dieses Ehrenamt erfordert bei allen Aktiven viel Freizeit. Und um sich auf einen Ernstfall vorzubereiten, treffen sie sich zu rund 50 Übungsabenden, Lehrgängen und Seminaren pro Jahr. Die Institution Feuerwehr ist aus dem täglichen Leben der ganzen Stadt Warstein nicht mehr wegzudenken.
Schon lange, bevor am 22. Juni 1924 die Freiwillige Feuerwehr Belecke gegründet wurde, gab es einen Feuerschutz. Für jeden Bürger war es Pflicht einen Ledereimer in seinem Haus zu haben, um zusammen mit den Nachbarn und der gesamten Bevölkerung im Brandfall eine Löschkette von der Wester bis zum Brand zu bilden. Als Vorläufer der heutigen Wehr wird die Werkfeuerwehren der Stiftfabrik und des Drahtzuges im Westertal angesehen. Durch die Stilllegung der Firma im Jahre 1924 hatten die Stadtväter keine andere Wahl, es musste eine eigene Freiwillige Feuerwehr gegründet werden. 42 Männer gaben am 22.6.1924 ihre Beitrittserklärung ab und bekamen von den Phönix-Werken ihre ersten Ausrüstungsgeräte.
Maurermeister Fritz Hoppe wurde zum neuen Brandmeister gewählt. Die Wehr zählte in diesem Jahr 48 aktive Mitglieder und zwei Ehrenmitglieder. Am 15. Mai konnte das neue Spritzenhaus am Bauketeich, Kallerweg, von Stadtvorsteher Lackmann an die Wehr übergeben werden. Am 28. April 1929 feierte man das erste Stiftungsfest, verbunden mit einer Fahnenweihe. Für die Finanzierung der Fahne führte man eine Sammlung bei der Bürgerschaft durch, das Ergebnis: 283,70 Mark. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde per Gesetz die Wehr in dem seinerzeitigen Zustand aufgelöst. Es wurde seitens des Staates versucht, die Feuerwehren gesinnungsmäßig umzufunktionieren. Vorträge über „die Bedeutung der Feuerwehren im Dritten Reich“ und Propagandaumzüge waren auch im Sauerland an der Tagesordnung.
Die Jahre des 2. Weltkrieges waren auch für die Feuerwehrmänner eine sehr harte Zeit. Die Aufgaben wurden umfangreicher, aber auch schwieriger. Die Funktionsfähigkeit der Wehr wurde durch Einberufungen geschwächt und die Übungsstunden eingeschränkt. Am 8. März 1942 brannte die alte Belecker Schützenhalle nieder, in der ein Gefangenenlager eingerichtet war. Das Feuer griff so schnell um sich, dass keine Aussicht auf Rettung bestand. So beschränkte man sich auf das Ablöschen – und das bei drohender Luftangriffsgefahr. Getötet wurde damals gottlob niemand. Vom 5. bis 7. April 1945 lag Belecke unter feindlichem Artilleriebeschuss. Alle beim Beschuss entstandenen Brände konnten bis auf das Anwesen Kroll-Schlüter erfolgreich bekämpft werden.

Bild: Stftungsfest zur Fahnenweihe 1928

Am 27. und 28. August 1949 feierte die Wehr ihr 25-jähriges Bestehen. Die Feier fand im Festsaal Humpert im Beisein vieler Ehrengäste und 17 Mitbegründern statt. Ein Umzug durch die Stadt, ein Konzert und ein Fest ball waren die Höhepunkte der Jubiläumsfeierlichkeiten. In diesem Jahr bekam die Feuerwehr ihren ersten Feuerwehrwagen. Doch schon bei der ersten Fahrt zum Feuerwehrfest nach Arnsberg kam es zum Malheur: In Niederbergheim wurde der Feuerwehrwagen vom eigenen Rad überholt. Die Not war groß, denn alle mussten die verlorenen Schrauben suchen, aber in sehr kurzer Zeit war der Wagen wieder flott. Dieses Feuerwehrfest blieb unvergessen, und von dem Missgeschick wurde bei vielen Gelegenheiten erzählt.

Bild: Belecker Feuerlöschteich in der Altstadt 1955

Nach sechsjähriger Tätigkeit als Wehrführer legte Johannes Schenuit sein Amt nieder. Heinz Rodehüser wurde nach bestandenem Brandmeisterlehrgang an der Feuerwehrschule in Warendorf zum neuen Wehrführer gewählt. Sein erster Einsatz als neuer Wehrführer war sicherlich auch sein schwerster. Am 9. März 1963 ereignete sich bei den Siepmann-Werken eine große Explosion in der Gesenkschmiede. Ein Teil des Werkes wurde dabei vernichtet. 20 Tote, 12 Schwer- und 24 Leichtverletzte waren zu beklagen.

Bild: Aktive Feuerwehrkameraden zum 40-jährigen Jubiläum 1964

1964 fand der Kreisfeuerwehrverbandtag zusammen mit dem 40-jährigen Bestehen der Wehr in Belecke statt. Mittelpunkt des Festes war eine Schauübung an Stütings-Mühle. Angenommen war ein Flugzeugabsturz in ein Wohnhaus. Mit allen verfügbaren Mannschaften und Geräten war die Wehr im Einsatz. Vor vielen hundert Zuschauern demonstrierte die Belecker Wehr ihre Schlagkraft, Einsatzbereitschaft und ihren Ausbildungsstand.
Durch immer größere, vielfältigere Aufgaben und immer neueren technischen Geräten wurde das „Spritzenhaus“ am Kallerweg zu klein. Die Grundsteinlegung für das neue Feuerwehrgerätehaus an der Silbkestraße fand am 29.  Juli 1967 statt und das moderne neue Heim konnte bereits am 10. August 1968 bezogen werden. Es war ein Feiertag für die gesamte Wehr, an dem auch die Belecker Bevölkerung regen Anteil nahm. Die Stadtvertretung beschloss 1971 die Anschaffung einer Drehleiter DL30. Bürgermeister Hermann Kroll-Schlüter übergab der Wehr ein neues Tanklöschfahrzeug LF 16 und ein Jahr später die neue Drehleiter.
Mit Beginn des Jahres 1975 wurde die ehemalige Stadt Belecke der Stadt Warstein zugeordnet, und hiermit hörte auch die Selbständigkeit der einzelnen Wehren auf. An den Feuerwehrfahrzeugen fand jetzt das Wappen der Stadt Warstein seinen Platz. Zum ersten Wehrführer wählten alle aktiven Feuerwehrmänner der Stadt Warstein Heinz Rodehüser. Neuer Löschzugführer in Belecke wurde Karl Richter. Für die Alarmierung der Einsatzkräfte begann sehr bald ein neues Zeitalter. Anfang der 1980er Jahre wurden Funkmeldeempfänger eingeführt. Bis zu dieser Zeit musste der Wehrführer für kleine Einsätze per Telefon einige Feuerwehrmänner herbeirufen. Ab jetzt alarmierte das Personal der Feuerwehrleitstelle in der neuen Kreisstadt Soest per Knopfdruck die erforderlichen Einsatzkräfte.
Nach der deutschen Wiedervereinigung knüpfte die Belecker Feuerwehr Kontakte zu den Kameraden der Wehr aus Wurzen in Sachsen. Schon am 18. November 1990 kamen acht Männer zu Besuch. Sie zeigten sehr großes Interesse an der Organisation und der Struktur unserer Feuerwehr, denn zu diesem Zeitpunkt wurde das gesamte Feuerwehrwesen in den neuen Bundesländern neu aufgebaut. Hierbei wurden private und freundschaftliche Beziehungen geknüpft.
Bei der Feuerwehr der Gegenwart steht nicht mehr ein spektakulärer Brand im Vordergrund. Vielmehr ist die technische Hilfeleistung eine der wichtigsten Aufgabengebiete geworden. Unter technischer Hilfeleistung verstehen die Wehrfrauen und -männer den Einsatz von Geräten wie hydraulische Hebewerkzeuge, Schere und Spreitzer, Flaschenzüge und Bergewerkzeuge. Und damit der Umgang mit den Hilfsmitteln auch immer bestens funktioniert üben die aktiven Angehörigen der Belecker Wehr allein dies an mehr als 35 Abenden pro Jahr.
Die Feuerwehr ist im Laufe ihres Bestehens zum „Mädchen für alles“ geworden – eben weil sie als zuverlässig gilt und immer dann sofort zur Stelle ist, wenn sie benötigt wird. Das Feuerwehrpersonal ist immer in der Lage, zu jedem Zeitpunkt die volle Leistung zu bringen sowie in gefährlichen Situationen richtig zu reagieren und zu handeln. Die Feuerwehr wird gebraucht.

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