
„So wird weltliches und kirchliches zusammengeführt. Wir freuen uns, dass die historischen Stadtsiegel von 1576 und 1819 jetzt in unserem Museum ausgestellt werden“, so Pfarrer Markus Gudermann bei der Übergabe im Museum. „Stadtarchivar Dr. Lukas Grawe und ich sind waren der Meinung, dass diese Siegel nicht in irgendeiner Schublade in der Stadtverwaltung liegen sollten, vielmehr hier im Museum einen würdigen Platz haben werden. Wir übergeben sie in gute Hände“, freute sich Bürgermeister Dr. Thomas Schöne. Dann war es schon ein wenig erhaben, als Thomas Schöne die beiden Siegel an Norbert Cruse im Kreise der Mitglieder des Anno-Kreises übergab. Diese wurden gleich in die Ausstellungsvitrine als Dauerausleihe gelegt.

Stadtarchivar Dr. Lukas Grawe erzählte dazu noch eine interessante Geschichte: „Der Heilige Pankratius wird meist als Jüngling dargestellt, mit langem Haar und einem starken Brustpanzer als Zeichen der Wehrhaftigkeit. Betrachtet man die alten Siegel, so sind auf beiden Stempeln sehr deutlich die Jünglingsattribute des wallenden Haars und der entblößten Brust zu sehen. Der Jüngling ist daher schnell mit einer barbusigen Jungfrau zu verwechseln. Um 1846 nahm der Warsteiner Amtmann Huck – die Entsprechung des heutigen Bürgermeisters – an dieser ‚unanständigen‘ Darstellung Anstoß und forderte eine Anpassung, sodass die Brustmerkmale deutlich in den Hintergrund treten sollten.“ Die Stadt Belecke kam dieser Forderung aber erst 1910/11 nach. Seither war die Kleidung des Heiligen Pankratius deutlich besser zu erkennen, die entblößte Brust verschwand. Bei dem älteren Stempel handelt es sich um das Siegel von 1576 und wurde bis 1818 vom Stadtrat verwendet. Dann entschieden sich die verantwortlichen Stadtvertreter für eine Überarbeitung und nutzte diesen Stempel bis 1910. Erst das dritte Siegel hatte bis 1974, zur kommunalen Neuordnung seine Gültigkeit.
In den nächsten Wochen wird noch ein Abdruck mit Siegellack auf einem passenden Pergament erstellt, damit jeder Besucher die Stempel besichtigen kann.

(msp)