Gedanken von Hermann-Kroll-Schlüter zum Thema Einweg-Plastikprodukte

Seit den 50er Jahren hat die Menschheit mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Überall ist Kunsstoffmüll zu finden: In der Umwelt, in den Meeren, in den Mägen von Tieren und sogar in menschlichen Stuhlproben wurde schon Mikroplastik gefunden.

Die Europäische Union macht Ernst mit dem Verbot von Einweg-Plastikprodukten. Die vereinbarte Richtlinie soll ab 2021 in der gesamten EU umgesetzt werden, sie sieht auch neue Auflagen für Verpackungen und Getränkeflaschen vor.

Ziel: Eine Trendwende beim Plastikverbrauch einleiten – und vor allem die Zunahme an Plastikmüll in den Weltmeeren zu stoppen. Denn der ist, warnt die EU-Kommission, für viele Fische, Vögel oder Schildkröten lebensbedrohlich. 

Verbote betreffen: 

  • Trinkhalme
  • Teller
  • Besteck
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen für Kaffee
  • Wattestäbchen
  • Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystrol, wie sie beim To-Go-Kauf von Lebensmitteln oder Getränken benutzt werden. 

Verboten wird außerdem sogenanntes „oxo-abbaubares Plastik“, ein Material mit Metallbeimischung, das zum Beispiel für dünne Beutel und Verpackungen verwendet wird und im Müll in kleinste Mikroteilchen zerfällt.

Wissenschaftliche Anfrage:

Oldamur Hollóczki, Universität Bonn in FAZ vom 20.4.2019:

„Im Laufe der Jahrzehnte haben Wissenschaft, Ingenieurswesen, Ökonomie und Gesetzgeber ein Netzwerk komplizierter Prozesse erarbeitet, das den Lebenszyklus von Plastik reguliert. Weil sie sehr belastbar sind, sollte man Plastikmaterialien wiederverwenden. Wo das nicht geht, mag gleichwohl Recycling möglich sein, also die Herstellung neuer Produkte aus Müll. Was sich nicht wiederverwerten lässt, kann Energie in Müllkraftwerken erzeugen. Wir benutzen in Fossilbrennstoffkraftwerken ohnehin Öl, die Verbrennung von Plastik, das aus Öl gemacht wurde, feuert also kein zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre, sofern sie Öl ersetzt; das Öl hat dann sozusagen nur einen Umweg von der Quelle zum Kraftwerk gemacht, um als Giftschutzanzug oder als Lutscherstengel zu dienen.

Prinzipiell könnte Plastik damit, wenn man es weltweit selektiv einsammelt, wiederverwendet, recycelt oder verbrennt, sogar zu den „grünsten“ Materialien gehören. Perfekt funktioniert das allerdings nicht – wir schmeißen zu viel Plastik weg, und einiges davon landet in den Meeren. Dieses Leck betrifft nur zwei Prozent der Plastikproduktion, aber das sind immer noch acht Millionen Tonnen jährlich… Unlängst haben chinesische Wissenschaftler erkannt, dass eine Mottenspezies Polyethylen verdauen kann, mit Hilfe plastikverzehrender Bakterien in ihren Eingeweiden. Und japanische Forscher haben eine Bakterienart identifiziert, die Plastikflaschen frisst. Es sieht so aus, als könnten wir mit dem Problem fertig werden…“

Schlussfolgerung:

Regelbasierte Nachhaltigkeit und kreislauforientierte Produktionsweiseoder Verbote

Hermann Kroll-Schlüter

Juni 2019

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