La vie en rose

„Oh c´ est joli – wie wunderschön!“ – Viele Besucher des „kulinarischen Chansonabends“, zu dem das Belecker Laienspiel am Freitagabend in die Neue Aula eingeladen hatte, konnten ihre Begeisterung bereits beim Betreten des Saals nicht verbergen. Nichts erinnerte an den, sonst ehr kühl wirkenden, Raum – rein optisch wurde das Motto „La vie en rose – Das Leben durch die rosarote Brille“ weit übertroffen. Die Bühne hatte sich in einen, in vielen Farben illuminierte, abendliche Parklandschaft verwandelt – Bäume, Straßenlaterne und Sitzgelegenheiten inklusive.

Im Zuschauerraum lockten weiß-betuchte Bistrotischchen – liebevoll dekoriert mit grün-schimmernden Weinflaschen mit Lichterketten-Innenleben. Damit der Wohlfühlatmosphäre nicht genug wurden die überraschten Besucher von den freundlichen „Kellnerinnen“ der Laienspiel-Nachwuchsgruppe mit Unterstützung der Juka-Damengarde empfangen.

Schmackhaft waren nicht nur die original französischen Weine die zum Ausschank kamen. „Super lecker“, so die einhellige Meinung der zahlreichen Gäste zur Menüwahl. Pastetchen, gefüllte Tomaten, Käse in vielen Variationen, Lachs- und Thunfischleckereien mundeten vorzüglich und zum Abschluss rundeten Madeleines, Eclairs und Chocolat die Gaumenfreuden ab.„Ich bin mir sicher, dass wir alle zusammen, einen unvergesslichen Abend verbringen werden“, versprach „Gastgeber“ und Laienspiel-Vorsitzender Heiner Maas in seiner  Begrüßungsansprache und verwies darauf, dass die Veranstaltung auch zu Ehren des Städtejubiläums mit St. Pol stattfinde. Damit gab er die stimmungsvolle Parkbühne frei für die drei Hauptakteure des Abends. „Bonsoir et Bienvenues, Mesdames et Messieurs.

Wir möchten Sie heute in ein ganz besonderes Land entführen: Frankreich, das Land des Savoir vivre, das Land des guten Essens, das Land der Chansons und natürlich das Land der Liebe“, grüßte Sopranistin Nadja Dust ihre Gäste und stellte in Daniel Tappe ihren Begleiter am Piano, sowie Ehemann Stephan vor, der im Folgenden die Moderation übernahm. Bereits die deutschen Übersetzungen der wunderschönen und in großer Vielfalt dargebrachten Musiktitel ernteten den ein oder anderen Applaus, gepaart mit leise geflüstertem „Schö-ön..“: „Augen, die die meinen küssen, ein sich verlierendes Lächeln auf seinem Mund, wenn er mich in seine Arme nimmt und mit tiefer Stimme zu mir spricht, sehe ich das Leben durch die rosarote Brille“, heißt es etwa im Titel gebenden „La vie en rose“ der unvergesslichen Edith Piaf.

Interessant und wissenswert waren dagegen die weiteren Infos zu den Interpreten und Titeln. So erfuhr das Publikum etwa, dass Frankreichs berühmteste Chansonniere Edith Piaf („Der Spatz von Paris“) aus schwierigen Verhältnissen kam. Bereits im Alter von sieben Jahren musste sie als Straßensängerin für ihren alkoholkranken Vater sorgen. Mit 15 schließlich tingelte sie noch immer durch die Straßen der Hauptstadt und wurde von Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt, der die kleine, nur 1,47 Meter messende, Frau als Chanteuse in sein Kabarett holte. Viele gescheiterte Beziehungen, der Tod ihres Kindes und des Geliebten prägten die Sängerin – trugen aber wohl indirekt auch zu ihrem Erfolg bei: „Ihre Zuhörer waren nicht nur von ihrer ganz besonderen Stimme berührt, sondern sie spürten, dass sie schon in jungen Jahren genau wusste, wovon sie sang, in ihren Liedern über Trauer und Glück, Elend und Lust.“ Diese wohl größten aller Gefühle spiegelten sich auch in den weiteren Titeln wieder – ob etwa in “Comme d’habitude” von Claude Francois (die französische Originalfassung von „I did it my way“), Yves Montands „Les feuilles mortes“ (Unter dem Titel „Autumn leaves“ ein Nummer-1-Hit) oder „La Pluie“ der Texterin und Sängerin ZAZ. Mit begeistertem Applaus wurden hier auch die Nachwuchsschauspieler des Laienspiels bedacht, die Regenschirm drehend vor dem prasselnden Nass auf der Beamerleinwand, die stets für passende Hintergründe sorgte, eine Choreografie zeigten.

Auch Laienspieler Alfred Bathe hatte einen Gastauftritt und sorgte zuvor an den Rasseln für zusätzliche Rhythmik. Nachdem zum Abschluss zusammen mit dem – als Chor eingebundenen – Publikum noch ein Spaziergang „Aux Champs Elysees” und einen Abstecher „Hinter den Kulissen von Paris“ gemacht worden war, hielt es die Gäste kaum noch auf den Stühlen. „So eine tolle Sache. Das Ambiente, die Musik, die leckeren Speisen alles passte – wir haben uns im wahrsten Sinne wie Gott in Frankreich gefühlt“, sprachen viele bereits von einer Fortsetzung solch eines „Themenabends“. Das Belecker Laienspiel hatte mit seinem „kulinarischen Chansonabend“ das Belecker Kulturleben einmal mehr nicht nur rosa-roter, sondern um einiges bunter gemacht.

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