Belecker feiern am Sturmtag Richtfest am „Kleinen Speicher“

von Christian Clewing
„Aufgerichtet ist das Holz, sagt der Zimmermeister stolz. Geschaffen durch des Meisters Hand der Kleine Speicher neu entstand.“ Ganz in alter Tradition eröffnete Hans-Jürgen Raulf als Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Badulikum seine Rede zum Richtfest am Mittwochabend im Rahmen der 568. Sturmtagsfeier. Vor zahlreichen Beleckern und Gästen war es Ortsvorsteherin Elke Bertling und Bürgermeister Thomas Schöne vorbehalten, den aus alten und neuen Eichenbalken zusammengesetzten Rohbaus durch das Einschlagen von drei Holznägeln zu komplettieren.

Elke Bertling und Thomas Schöne schlugen die letzten drei Nägel ein. Und weil es die Ortsvorsteherin zu gut machte, griff Zimmermeister Max Zumbansen „helfend“ ein, damit der Rohbau beim Richtfest auch begossen werden konnte. Der Bürgermeister benötigte keine Unterstützung beim Danebenschlagen.

Das denkmalgeschützte Ensemble „Stütings Mühle“ sei eine der vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt Warstein, so Hans-Jürgen Raulf, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Badulikum, in seiner Festansprache. Teil der Anlage sei der „Kleine Speicher“, früher auch Backhaus oder Gesindehaus genannt. „Wir haben nicht eindeutig klären können, welche Nutzung mit diesem Häuschen in der Vergangenheit verbunden war“, so Raulf, es erschien dem Verein aber „unbedingt erhaltenswert als Zeugnis der Geschichte“. Durch das „Neuerrichten“ des „Kleinen Speichers“ könne man ein denkmalgeschütztes Gebäude erhalten – „wenn ich mir die Eichenbalken ansehe, muss ich sagen für die nächsten Jahrhunderte“. Und man will es natürlich auch nutzen – als Ausstellungsraum für Exponate zur Geschichte der Nachtwächterzunft und der Sturmtagskanoniere. „Sehr gut eingebunden werden kann das Gebäude nach seiner Wiederherstellung in die Stadtführungen oder Nachtwächter-Rundgänge“, so Raulf.

Der Badulikum-Vorsitzende nutze gestern die Sturmtagsfeier auch, um für „die kooperative Zusammenarbeit“ zu danken – angefangen bei der Stadt Warstein als Eigentümerin und „bauamtliche Entscheidungsträgerin“ bis hin zum Denkmalamt in Münster. Nur durch die Einhaltung der Auflagen zum Denkmalschutz sei es möglich gewesen, Zuschüsse durch die NRW-Stiftung und die Bezirksregierung Arnsberg zu bekommen.

„Das kleine Speicherhaus war in einem so desolaten Zustand, dass es fast unmöglich, für uns auf keinen Fall finanziell zu stemmen war, das Gebäude im Bestand zu sanieren“, so Hans-Jürgen Raulf. Daher war man froh, dass das Denkmalamt das Okay für den Rückbau und den Wiederaufbau gab. „Wie vermutet musste der größte Teil der Eichenbalken erneuert werden“, so der Badulikum-Vorsitzende mit Blick auf den Rohbau jenseits des Westergrabens. Eichenholz aus heimischen Wäldern wurde vom Arbeitskreis Mühlrad passend gesägt, ein Teil musste zugekauft werden. Sie und natürlich die „fleißigen Kanoniere und Nachtwächter, die schon zahlreiche Stunden beim Rückbau und den Fundamentarbeiten geleistet haben“, schloss Raulf in seinen Dank ebenso ein wie maßgebende Einzelpersonen: Marc Schenuit („für das Aufmaß und die Erstellung der Bauzeichnungen und Baubeschreibungen“), Johannes Ulrich Blecke („als Architekt und Bauaufsicht“), Matthias Friederizi („für die unterstützenden Erdarbeiten“), Annette Clauß („für die überaus sichere Statik“), Martin Dicke und seine Mitarbeiter („für die präzisen Fachwerkarbeiten“) und insbesondere „die praktischen Bauleiter“ Adalbert Friederizi und Franz-Josef Schiermeister, „die im Team hervorragende Arbeit leisten und ihre „Mannen“ zu motivieren wissen“.

Mit dem Engagement rund um Rück- und Aufbau des „Kleinen Speichers“ habe man „wiederum einen Baustein zur Gestaltung unserer Zukunft geschaffen“, so Hans-Jürgen Raulf. „Wir alle arbeiten an unserer Zukunft mit unserem Vereinsleben, mit unseren Ideen, mit unserem Engagement“, erklärte er mit Blick auf die vielen versammelten Repräsentanten und Mitbürger. Sei es der Erhalt von Baudenkmälern als Zeugnisse der Geschichte, sei es das Leben und Erleben von Traditionen, sei es das Miteinander in den Vereinen, sei es das Engagement für die Heimatstadt, das Motto müsse stets heißen: „Werte schaffen und Werte erhalten. Es liegt in unserer Hand, die Zukunft zu gestalten!“

Wie die „Gestaltung“ des Rückbaus und des ersten Schritts des Wiederaufbaus vonstatten gingen, erkundete Edelbert Schäfer im Interview mit den „Zeitzeugen“ Rolf Jesse (Badulikum-Vorstand), Adalbert Friederizi und Franz-Josef Schiermeister (Bauleiter), Johannes Ulrich Blecke (Architekt), Marc Schenuit als Ideengeber sowie der „Trümmerfrau“ Erwin Grewe.

Nach der Begrüßung der Handwerker durch Raulf oblag es den Fachleuten der Holzbaufirma Dicke, nach dem Hochziehen des Richtkranzes passende Worte aus luftiger Höhe zu schmettern. Martin Dicke, Max Zumbansen, Andre Schulte sowie Stefan Thiele übernahmen das in traditioneller Kluft und sorgten auch für die entsprechende Hammer-Musik, bevor Ortsvorsteherin und Bürgermeister wenige Minuten nach Sonnenuntergang den Rohbau vollendeten.

Auf der vor zwei Jahren während der Sturmtagsfeier auf dem Mühlengelände eingeweihten Natürbühne trugen der Belecker Männerchor während des Festhochamtes, sowie die Musikvereinigung Belecke und der Spielmannszug des TuS Belecke zur Gestaltung des Abends bei.

 

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