Malteser-Vortragsthema: Darmkrebs

„Sie fühlen sich großartig? Sie haben einen gesunden Appetit? Sie sind erst fünfzig? Dann haben Sie die typischen Symptome von Darmkrebs!“ Mit dieser provokanten Aussage einer amerikanischen Kampagne stieg Dr. Frank Houben, Chefarzt Chirugie im Warsteiner Krankenhaus Maria Hilf, am Montagabend im Anton-Görge-Haus in seinen Vortrag zum Thema „Vorsorge und Behandlung von Darm- und Enddarmkrebs“ ein.

Dr. Frank Houben, Chefarzt Chirugie im Warsteiner Krankenhaus Maria Hilf

„Darmkrebs bemerkt man lange Zeit nicht“, schlussfolgerte der Referent. Erst im späteren Verlauf und je nach Lage des Karzinoms treten manchmal Symptome wie Blutbeimengungen oder Bleistift dünnen Stuhl, Müdigkeit, mangelnde Belastbarkeit, Schmerzen, Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung oder Gewichtsverlust auf.

 

Mit 65.000 Neuerkrankungen im Jahr, mache der Darmkrebs 15 Prozent aller Krebserkrankungen aus – steht damit bei Frauen zwischen 65 und 70 Jahren an 2., bei gleichaltrigen Männern an 3. Stelle aller bösartigen Tumorerkrankungen.

Wer erkrankt an Darmkrebs? „Einige Faktoren erhöhen das Risiko“, verwies Houben auf die zunehmende Gefahr einer Erkrankung mit steigendem Alter. Auch entzündliche Darmerkrankungen, die Zuckerkrankheit, Übergewicht, eine wenig faserreiche, ballaststoffarme Ernährung (ungünstig auch der Verzehr von viel rotem Fleisch und gesättigten Fettsäuren), Alkoholkonsum, Rauchen, mangelnde Bewegung, sowie Darmpolypen als Vorstufe des Darmkrebses würden sich auf eine Erhöhung der  Wahrscheinlichkeit auswirken, zu erkranken. Zudem sei eine genetische Komponente zu beobachten. Während 70 Prozent aller Darmkarzinome „einfach so wachsen“, sei bei den übrigen 30 Prozent eine Häufung innerhalb der Familien zu erkennen.

„Ich bin Chirurg, ich operiere gern. Noch lieber ist es mir allerdings, ich müsste Sie nicht operieren“, bekannte der Chefarzt. Hierzu sei es jedoch notwendig eine Vorsorgespiegelung zu veranlassen. „Das senkt das Risiko einer Erkrankung um 75 bis 90 Prozent.“ Ein großer Effekt, den die nahezu schmerzfreie Untersuchung mit sich brächte. Das Unangenehmste sei lediglich die Darmreinigung mittels Abführpräparate am Tag zuvor. Derzeit sei die Spiegelung des Darms eine der erfolgreichsten Vorsorgemaßnahmen – und ohne wirkliche Alternativen, da während der Untersuchung Polypen sofort abgetragen können. Sie muss – bei unauffälligem Befund und keiner genetischen Vorbelastung – nur alle 10 Jahre wiederholt werden. Findet sich ein – noch gutartiger – Polyp, verkürzt sich diese Zeit um etwa 5 Jahre. Ab dem 50. Lebensjahr habe man zudem einen Anspruch auf eine Darmspiegelung als Vorsorgeleistung der Krankenkassen. „Darmkrebs wächst langsam. Von der ersten Schleimhautveränderung bis hin zum Karzinom können 10 bis 20 Jahre vergehen.“ So die gute Nachricht.

Durchaus zuversichtlich könne man aber auch sein, wenn ein bösartiges Geschwulst bereits gefunden wurde. „Hier ist es wichtig, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Darmkrebs ist heilbar, man muss ihn nur operieren“, so Houben. Je nach Größe und Streuung sei manchmal auch eine Bestrahlung/ Chemotherapie vor der Entfernung notwendig. Es sei auch nicht damit getan, lediglich die befallene Stelle zu entfernen. „Um sicher zu gehen, müssen wir großräumig operieren. Dies bedeutet stets auch die Entfernung großer Blutgefäße und Lymphknoten.“ Ob beim Enddarmkrebs, der ein Drittel aller Darmkarzinome ausmache, der Schließmuskel erhalten werden könne, entscheide sich oft erst unter der OP. Natürlich könne es bei einem Eingriff in dieser Größenordnung auch immer zu Komplikationen – von der einfachen Nachblutung bis hin zur äußerst seltenen Perforierung der Darmwand oder Lähmungen – kommen, machte der Chirurg klar.  Umso eindringlicher der abschließende Appell, wie ihn die Felix-Burda-Stiftung derzeit verbalisiert: „Wenn Sie ihren Partner lieben, schicken Sie ihn zur Darmkrebsvorsorge!“

Gastroenterologische Sprechstunde im Maria Hilf:

Montag: 14:00 – 15:00 Uhr | Donnerstag: 14:00 – 15:00 Uhr

Telefon: 02902 891-176 | 

Abschließend gab die Stadtbeauftragte Astrid Lepa die nächsten Termine der Malteser-Vortragsreihe bekannt: Am 2. November referiert Dr. Heiner Höling zum Thema „Wechseljahre“ und im Dezember geht es um „Sprachentwicklungsstörungen im Kindesalter“.

Text und Fotos: Gaby Schmitz 

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