Sturmtag soll immaterielles Kulturerbe werden.

„Das vergangene Jahr war ein sehr erfolgreiches Jahr für den Kultur- und Heimatverein Badulikum“, so ihr erster Vorsitzender Hans-Jürgen Raulf, 44 Vereinsmitglieder begrüßte er nach den aktuellen Hygienevorschriften in der Neuen Aula. So konnte der Verein einen Übertrag des wirtschaftlichen Eigentums des Ensembles Stütings-Mühle mit der Stadt Warstein abschliessen. Gleichzeitig wird noch an mehreren Stellen an Stütings-Mühle intensiv gearbeitet und gebaut. 

Der Turbinenschacht erhielt einen neuen Außenputz, das Dach des Sägegatters wurde komplett erneuert, eine barrierefreie Zuwegung zum kleine Speicher errichtet, der Luftschutzbunker für Besichtigungen hergerichtet. Arbeiten die der Heimatverein federführend organisiert. Der Radweg von der Paul-Gerhardt-Straße bis zum Mühlengelände ist fertig, aber noch nicht befahrbar. Da vom Kreis Soest, der die Renaturierung der Wester fast abgeschlossen hat, vor der Bücherei noch eine Brücke bauen muss, die über eine Fischtreppe führt und gleichzeitig Hochwasserschutz bieten soll.

Besonders freuten sich die Mitglieder über den Förderbescheid des Landes Nordrhein-Westfalen, der diese Investitionen erst ermöglicht hat. Diesen Bescheid überbrachte im September des vergangenen Jahres Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, stellvertretend für Heimatministerin Ina Schnarrenbach. Doch die Ministerin war so gespannt auf den Fortgang der Arbeiten, dass sie im Mai 2020 das Ensemble besuchte. Sie war angenehm überrascht und liess sich alles zeigen und erklären. Mit ihren hochhackigen Schuhen besuchte sie auch den Bunker und damit war sichergestellt, dass der Bodenbelag richtig ausgewählt wurde.  

Nach verlesen des Niederschrift der letztjährigen Mitgliederversammlung durch Schriftführer Klaus-Arthur Feller und dem Tätigkeitsbericht von Hans-Jürgen Raulf, berichteten die gesondert geführten Vereinigungen über ihre Aktivitäten. Dies sind die Sturmtagskanoniere mit ihrem Sprecher Adalbert Friederizi, Zunftmeister Karl-Hans Vahle, sie hatten verschiedene Termine wahrgenommen, gemeinsam besuchten sie die Soester Fehde, schossen mit ihrer Kanone und nahmen an Stadtführungen teil. Christoph Linn berichtete über die Arbeiten am Sägegatter und Turbine und teilte mit, dass trotz des trockenen Sommers, über 118000 Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz eingespeist wurde. Nach 42 Jahren hat sich der Arbeitskreis plattdeutsche Sprache wegen Überalterung aufgelöst. Friedel Schröder erinnert in einer kleine Rückschau auf die gemeinsamen Jahre. Dabei hob er besonders das Engagement von Willi Wessel hervor, der sich mit viel Herzblut um die alte Sprache kümmerte und ein Buch mit Liedern und selbstgeschriebenen Gedichten veröffentlichte.  

Seit 2012 ist Hans-Jürgen Raul erster Vorsitzender des Kultur und Heimatvereins, bei der turnusmäßigen Wahl wurde er für eine weitere Amtsperiode von den 44 anwesenden Mitglieder bestätigt. Josef Petrasch bleibt Beisitzer, Elke Bertling fungiert weiterhin als Beiratsmitglied, nur Erwin Grewe übergab seinen Posten als Beiratsmitglied an Udo Döben. Die Kasse wird in den folgenden zwei Jahren von Hubertus Jesse und Henrik Schroeck geprüft. 

„Es ist eine win-win Situation für die Stadt Warstein und dem Heimatverein“, so der zweite stellvertretendes Vorsitzende Dr. Thomas Schöne

Sehr intensiv ging Rolf Jesse, Steuerberater und stellvertretender Vorsitzenders des Heimatvereins, auf die Änderungen bezüglich des Übertrags des wirtschaftlichen Eigentums von Ensembles Stütings-Mühle ein. Seit vielen Jahren engagieren sich viele Personen ehrenamtlich um das Anwesen der Mühle, immer in Absprache mit der Stadt Warstein. Durch diesen Vertrag kann der Verein eigenmächtig handeln. „Wir haben sehr viel investiert und möchten es weiter nutzen, so wie wir es möchten“, berichtete Raulf. Dieser Vertrag mit der Stadt wurde rückwirkend vom 1. Januar 2020 bis 30. Juni 2040 mit halbjährlicher Verlängerung besiegelt. „Es ist eine win-win Situation für die Stadt Warstein und dem Heimatverein“, so der zweite stellvertretendes Vorsitzendes Dr. Thomas Schöne. Diesem Vertrag stimmten die Mitglieder zu, wegen weiterer formal bedingter Änderungen muss die Satzung des Vereins angepasst werden, die einstimmig von allen Mitgliedern bejaht wurde.  

Ein Verein wie der Kultur- und Heimatverein freut sich über langjährige aktive Mitglieder. So konnte Vorsitzender Raulf drei 25-jährige gratulieren: Josef Krieger, Hans-Josef Wieners und Friedbert Schlüter. Helmut Raulf gehört dem Verein seit 60 Jahren an, krankheitsbedingt wird ihm die Urkunde und Anstecknadel in den nächsten Tagen überreicht. 

Jubilare: Josef Krieger, Hans-Josef Wieners und Friedbert Schlüter.
Hans-Jürgen Raulf und Rolf Jesse vom Vorstand gratulierten.

Ein laufendes Projekt ist derzeit das „IZH“, Informationszentrum für Heimatgeschichte, das in Stütings-Mühle untergebracht werden soll. Dazu gehört auch der Luftschutzbunker. Erst vor einigen Tagen wurden Zeitzeugen befragt, um den jungen Generationen die Bedeutung des Bunkers zu vermitteln. „IZH“ ist dem Vorstand aber nicht eindeutig genug. Jetzt hat man sich dazu entschlossen, den Obertitel der in den letzten Jahren erschienenen Bücher „Belecke. Lebendige Geschichte.“ auch für Stütings-Mühle einzusetzen. So ist ein neuer Slogan mit Designer Michael Römer entstanden und soll genutzt werden. Dann heisst es: „Belecke. Lebendige Geschichte. Treffpunkt Stütings-Mühle“ oder „Treffpunkt kleiner Speicher“.

Für das neue Informationszentrum sucht der Heimatverein noch Fotos, Dokumente und Zeitzeugen, speziell aus der Zeit im und nach dem 2. Weltkrieg. 

Der Vorstand ist auf einen Tipp von Eckhard Uhlenberg eingegangen, den Belecker Sturmtag als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Schon im vergangenen Jahr hat man einen Antrag gestellt, dieser wurde aber in der Vorprüfung abgewiesen, da wissenschaftlich begründetet Nachweise nicht vorlagen. Nun ist man mit Michael Streit, Archivar in Paderborn, zusammen gekommen und hat einen Einblick in die Geschichte der Stadt Belecker erhalten. In einem Buch, das ein ehemaliger Pfarrer in Form eines Tagebuches für Belecke in Latein geschrieben hatte, ist das Wort „Sturmtag“, vier Tage vor Pfingsten, im Jahr 1744 festgeschrieben. Alles in Latein, nur „Sturmtag“ in deutsch! Dies wird wohl die älteste Erwähnung des Sturmtages sein, offen ist noch, und daran wird noch geforscht, wie sich der Nationalsozialistisch den Sturmtag zu Nutze gemacht hat, denn dies fordern die Gremien zur Anerkennung des immateriellen Kulturerbes. Im nächsten Jahr möchte der Heimatverein einen neuen Antrag stellen. (msp) 

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