Belecke, Lebendige Geschichte – Zurück zur Natur!

11. Werkstattgespräch mit vielen interessierten Besuchern – „Hier tut sich was!“

„Hier tut sich was, im Westertal und an Stütings-Mühle“, so begrüßte Heimatvereinsvorsitzender Hans-Jürgen Raulf fast einhundert interessierte Belecker, die sich aus erste Hand über die Bauarbeiten an diesem historischen Ort informieren wollten. Als Referenten zum 11. Werkstattgespräch verpflichtete der Heimatverein Dipl. Ing. Wolfgang Klein vom Ingenieurbüro Klein für Wasserwirtschaft und Gewässerökologie sowie Philipp Büngeler vom Sachgebiet Wasserwirtschaft, Kreis Soest.  

Heimatvereinsvorsitzender Hans-Jürgen Raulf, Ortsvorsteher Heiner Maas und Dipl.-Ing. Wolfgang Klein (l.), er plante die Renaturierung der Wester von der Paul-Gerhardt-Straße bis zur Mühle.

„Was ist im Westertal bereits passiert?“, diese Frage stellte Raulf an Philipp Büngeler. „Es sind von den geplanten Vorhaben schon einige umgesetzt“, so seine Antwort. „Wir wollen zurück zur Natur. Die Renaturierung der Wester ist fast abgeschlossen, gleichzeitig haben wir einen neuen Rad- und Fußweg gebaut“, führte er aus und stellte die Frage: „Warum machen wir ein gerades Gewässer krumm?“ Das Flussbett der Wester sei vor mehr als 100 Jahren gerade gestaltet, für die damalige Zeit sei dies für die Menschen die mit dem Westerwasser ihre Säge- und Getreidemühlen, die Industriebetriebe, die Bewässerung ihrer Felder notwendig gewesen. Sie benötigten viel und schnellfliessendes Wasser, um es effektiv zu nutzen. Damals sei es ein richtiger Gedanke gewesen. Heute möchten die Menschen lieber ein biologisch interessantes Gewässer mit vielen Kleinlebewesen, wenig Schadstoffen, Fischen und Möglichkeiten zur Erholung. Dieser Gedanke sei von der Bundesregierung so gewollt und soll bis 2027 an allen Gewässern abgeschlossen sein, so Büngeler.  

„Hier in Warstein läuft es sehr gut, die Stadt braucht sich nicht zu verstecken“, führte Büngeler weiter aus. Das Wasser fliesse nicht so schnell, Fische und Kleinlebewesen fühlen sich wohl und seien eine Bereicherung, meinte er. Bereits 2016 wurden die ersten Überlegungen angestellt. Eigentumsverhältnisse mit Anliegern, Kirche, Angelvereinen und der Stadt besprochen. Alle waren bereit ihren Beitrag für eine Renaturierung zu leisten. Ziel war es, die Wester naturnah zu gestalten und gleichzeitig die Hochwassergefahr zu verringern. Der Spatenstich war am 15. Oktober 2019, doch die schweren Bodenverhältnisse verhinderten ein gutes Vorankommen der Arbeiten. Selbst eingearbeiteter Kalk und Zement nutzte wenig, erst unzählige LKW-Ladungen Steinbruchmaterial führte zum Erfolg. Starkregen im Februar und März und die Coronakrise unterbrachen die Arbeiten.  

Ein sehr interessanter Vortrag für alle Belecker

Diplom-Ingenieur Wolfgang Klein ging in seiner Präsentation zunächst auf einige abgeschlossene Projekte ein und zeigte den Beleckern Flüsse und Bäche die schon seit vielen Jahren renaturiert sind. Dazu gehört auch der Soestbach, der damals unter einer dicken Betonschicht floss und heute die Stadt bereichert. „Wir möchten eine ökologische Durchgängigkeit erreichen, dies wird uns nicht so einfach gelingen, aber oft reichen auch nur einige Abschnitte eines Flusses oder Baches. Gute Beispiele gibt es in Warstein und Allagen. In Völlinghausen an der Möhne ist es so gut gelungen, dass hier Menschen gerne eine Rast einlegen“, führte er weiter aus.  

Hier an der Wester wurde nach Fertigstellung einer Brücke am oberen Wehr vor einigen Wochen ein Probelauf gestartet, um die Gewässermodellierung zu testen. Die Ergebnisse waren sehr gut und und erst danach asphaltierte man den Rad- und Fußweg. An der Baustelle vor der Bücherei fanden die Tiefbauer zu Beginn der Brückenarbeiten viel Infrastruktur, Wasser- und Gasleitungen, kleine und sehr große Abwasserleitungen, einige mussten erst verlegt werden, all dies erschwerte die Arbeiten. An dieser Stelle entsteht eine Fischtreppe, damit die Fische den weiteren Weg flussaufwärts finden, ist sie einmal fertig wird sie zum idealen Spielplatz für Kinder, gleichzeitig aber auch ein schneller Ablauf bei Hochwasser.  

Schon jetzt stehe fest, dass sich die Belecker mit dem neuen Rad- und Fußweg identifizieren. Bereits zu Beginn des Jahres seien einige Stammtische und Vereine an mich herangetreten, um für Bänke, insekten- und vogelfreundliche Pflanzen, zu spenden. Der TuS Belecke möchte sogar die Einweihungsfeier organisieren, freut sich Ortsvorsteher Heiner Maas über das Engagement. Er wies darauf hin, dass das Befahren des Rad- und Fußwegs verboten sei, es gebe keinen Anschluss an die Bahnhofstrasse.  

Für Mitte September 2020 soll, wenn es nach den beteiligten Firmen und den ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern geht, die Freigabe für den Rad- und Fußweg erfolgen. Dann ist das Ensemble Stütings-Mühle fertig und bietet viele Möglichkeiten für ihre Besucher. „Wir freuen uns auf den Tag, wenn wir den Bürgern alles vorführen können. Belecke ist eine lebendige Stadt – zurück zur Natur“, so Heimatvereinsvorsitzender Hans-Jürgen Raulf. (msp)

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