100 Jahre Kegelclub Badelicum

Solche Bilder begegnen uns derzeit selten. Nicht nur, dass die Herren auf dem Foto sich mit schwarzem Anzug und roter Fliege ganz besonders fein gemacht haben, sie sind auch, für Corona-Zeiten, sehr eng beieinander. Kein Grund zur Sorge! Als hätten sie um die Pandemie geahnt, trafen sich die Belecker bereits im Februar, um ein ganz besonderes Jubiläum einzuleiten. Gemeinsam bildet die Riege die aktuelle Besetzung des Kegelclubs „Badelicum“, der am 22. April seit  exakt 100 Jahren besteht und damit der wohl älteste Kegelverein des Stadtgebiets ist.

Im Jubiläumsjahr 2020:

oben v.l. Günther Bremicker, Alois Zaglauer, Paul Dierkes (Kassierer), Gerd Kroll, Andreas Hunecke
untern v.l. Horst Fenske, Horst Wolter (Präsident) und Bernhard Müller

Neben der anberaumten Generalversammlung und einem leckeren Abendessen im Gasthof Hoppe tauschten die Kegelbrüder, um ihren Präsidenten Horst Wolter, an jenem Samstag zur Karnevalszeit nicht nur viele gemeinsame Erlebnisse aus, sondern tauchten auch ab in die Historie. Und die ist durchaus beeindruckend:

Es war an einem Donnerstag im Jahre 1920 als einige „honorige“  Bürger der Badestadt beschlossen hatten, einen Kegelclub zu gründen. Sie einigten sich auf den Namen „KC Badelicum“ und erarbeiteten gemeinsam Statuten und eine Kegelordnung. Wie zu dieser Zeit preußisch-förmlich üblich, wurden diese sogar mit Brief und Polizeisiegel beglaubigt.  „Unter dem Namen Kegelklub „Badelicum“  zu Belecke vereinigte sich am 22. April 1920 eine Anzahl Herren, um gemeinsam in Freundschaft und Gemütlichkeit, dem Geist und Körper stählenden Kegelsport obzuliegen“ heißt es in Paragraph 1 der Statuten. 

„Diese Gründungspapiere gelten für die heutigen Clubmitglieder unverändert; gleichwohl hat sich der Umgang damit bei den Kegelabenden – der Neuzeit angepasst – stark „liberalisiert“, verrät Pressesprecher Horst Fenske. 

Statuten von 1920
Protokoll einer Generalversammlung
Kegelclub Badelicum 1923

Ihren sportlichen Anfang machten die Gründungsmitglieder, die weitestgehend unbekannt sind, aber drei Jahre später laut Bilddokumentation aus Dr. Heinrich Meinhold, Klemens Padberg, Josef Stüting, Willhelm Eikelmeier, Rudolf Lutter, August Hötte, Franz Happe, August Hagemann, Casper Bracht, August Gödde und Hermann Hagemann bestanden, auf der offenen Bahn im Gast- und Badehaus Ulrich, später im Clemensheim und bei Borghoffs an der Külbe. Da die offenen Bahnen der Witterung ausgesetzt waren, wechselte der Club in die Gaststätte „Zur Altstadt“, zum Kegelwirt „Frönnes“ (Hagemann). 

Wanderpokalsieger 1929

Über 65 Jahre warfen die Belecker dort die Kugel, bis August und Elisabeth Hagemann ihre Gaststätte aus Altergründen aufgeben mussten. Es folgten ein kurzes Gastspiel im Gasthof „Zum guten Hirten“ und ein weiterer Wechsel zur „Inge“ an die Silbke. „Auch hier war im Jahre 2014 wegen Schließung Schluss und wir „gingen fremd“ – außerhalb der Belecker Grenzen – zum „Lindenhof“ nach Warstein“, so Fenske. Nach kurzer Zeit zog es den Club aber wieder in den Ort seiner Namensgebung und bis „Corona“ dem ein Ende setzte, wurde einmal wöchentlich bei „Schulten Anne“ im Gasthof Hoppe gekegelt. 

„Die 100 Jahre des Bestehens bedeuten eine Spanne von fünf bis sechs Generationen in der Mitgliederbewegung“, verweist Fenske auf einige bedeutende Spuren Belecker Geschichte.  Hierzu zählt nicht nur das sorgsam archivierte Original der beglaubigten Statuten, sondern auch das graue „Protokollbuch“, das alle Niederschriften der Generalversammlungen von 1927 bis 1979 beinhaltet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Versammlungsschriften im Sütterlin verfasst. Bis ins Jahre 2005 erfolgte die Dokumentation handschriftlich. „Danach begann auch bei uns die protokollarische Digitalisierung“, so Fenske, der die vorherigen Überlieferungen, in mühevoller Arbeit, für die nachfolgenden Generationen, in Druckform gebracht hatte.

Dass in den frühen Jahren stets in Hemd und Schlips gekegelt wurde zeigt die Ehren-Urkunde für das Jahr 1929. Diese wurde dem Club vom Kegelverein Sauerland in Kombination mit einem Sieger-Wanderpokal überreicht. Ebenso existiert aus dieser Zeit ein clubeigener Pokal, zu Ehren des jeweiligen Jahres-Kegelkönigs. Die Ehrefrauen der damaligen Kegelbrüder spendeten ihren sportlichen Männern zum 10-jährigen Bestehen zudem einen Wimpel, der zu besonderen Anlässen auch heute noch den Tisch schmückt. Bereits im Jahre 1928 gründeten die Damen einen eigenen Kegelclub. „Unschicklichkeit“ kritisierten einige der konservativ eingestellten Männer. „Kegeln war seinerzeit offensichtlich nur als rauer Männersport gelitten. Doch die Belecker hatten gegenüber allem Neuen – im Vergleich zu ihrer Nachbarschaft – aber schon damals eine recht progressive Einstellung.“ 

Ab Kriegsende bis 1949 wurde das Kegeln eingestellt. Danach erlebte der Club unter den Präsidenten Josef Stüting, Hans Eske und Bernhard Müller eine Blütezeit und wuchs im 50. Jahr seines Bestehens auf 17 Mitglieder an. 

KC Badelicum im Jubiläumsjahr 1970 
Oben v.l. Willy Riechmann, August Hagemann (Frönnes), Peter Fischer, Theodor Stemper, Josef König, Mitte v.l. Josef Beule, Gottfried Dertwinkel, Anton Meinold, Peter Eickhoff, Ernst Severin, Johannes Kaup, Unten v.l. Hans Eske, Paul Harward, Josef Stüting, Rudolf Lutter, Dr. Heinrich Meinold und Josef Petrasch. 

Nicht nur solche Jubiläen wurden gebührend gefeiert. Mindestens einmal im Jahr organisierte der Club auch Ausflüge und Exkursionen mit ihren Ehefrauen. Diese führten die Kegler unter anderem nach Helgoland, in die Holstein`sche Schweiz, den Harz, Heidelberg, Würzburg, München, Dortmund, Wuppertal und Wien. Ein besonderes Erlebnis war für alle 2008 der Besuch des VW-Konzerns in Wolfsburg. Zur ihren runden Geburtstagen stifteten die Kegler bereits einige Ruhebänke, die – an den schönsten Stellen Beleckes aufgestellt  zur Muße einladen. Die anstehende Jubiläumsfahrt nach Holland hoffen alle gemeinsam und in bester Gesundheit im Spätsommer oder eben „nach Corona“ nachholen zu können. 

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