Herbert Seidel baut Heinkel-Roller zusammen – der neunte im Raum Warstein, Rüthen, Soest und Möhnesee


BELECKE. Nach fast einem Jahr ist es geschafft. Herbert Seidel passionierter Bastler in Sachen alter und historischer Motorräder sitz freudestrahlend auf seinem im Mai 1962 erstmals zugelassenen Heinkel-Roller.

Stolz sitzt Herbert Seidel auf seinem Heinkel-Roller, mit einer Laufleistung von 42963 Kilometern, einem 178 Kubikzentimeter, Viertakter, Einzylinder-Motor und geballten neun Pferdestärken.

Im vergangenen Jahr kaufte er sich in Bielefeld einen komplett zerlegten Heinkel-Roller, um ihn wieder fahrbereit zusammen zu schrauben. „Es sah schon ein wenig seltsam aus, als ich alle Teile in meiner Garage liegen hatte. Womit sollte ich anfangen?“, berichtete er nach der Fertigstellung. Vier Jahre war der Roller, der in den Jahren von 1953 bis 1965 zum normalen Straßenbild gehörte, nicht gelaufen.

Nun galt es Ersatzteile zu beschaffen, für Herbert Seidel kein großes Thema. Über die Heinkel Fahrzeugteile GmbH kann jeder Rollerfan alle nur möglichen Teile, vom Scheinwerfer über Kotflügel bis zur kleinsten Schraube als Original-Ersatzteile kaufen. „Oder man muss sich die Ersatzteile selbst bauen. Dazu ist natürlich handwerkliches Geschick notwendig“, erzählt er weiter.

Die Sitzbank war zerschlissen, Bremsanlage und Kupplung defekt, der Lack war nicht mehr in Ordnung, die Reifen brüchig und abgefahren und der Motor lief auch nicht mehr. Alles hat er selbst in unzähligen Stunden selbst repariert. Die Kupplung ausgetauscht und alle Lager im Motor und Getriebe ausgewechselt. Den Zylinderkopf überholt und die Ventile gereinigt. Selbst den Originalfarbton des Lacks konnte er im Handel kaufen. Auf Lacke für historische Fahrzeuge hat sich ein renommierter Lackhersteller spezialisiert, denn hier kann jeder Originalfarben für viele historischen Autos, Roller und Motorräder kaufen.

Heinkel-Roller „Tourist“, wurde von 1953 bis 1965 gebaut und gehörte damals zum gewohnten Straßenbild, der historische Roller wieder neu lackiert im Original Heinkel-Farbton.

Unter die Doppelsitzbank: ein freier Blick auf Motor und Benzintank.

Doch für Herbert Seidel, der schon seit seinem 15. Lebensjahr an Motorrädern, Rollern und Mofas schraubt war der Einstieg in die Reparatur kein so großes Problem. Schon damals kaufte er sich eine funktionsuntüchtige Horex Regina 400. Unendlich viel Zeit hatte er damals an dem Motorrad gearbeitet, Ersatzteile besorgt und gewerkelt und und noch heute ist er stolz auf das Geschaffene. Denn das Motorrad, aus den 1950er Jahren, lief wieder wie am ersten Tag. „Später kaufte mir ein Motorrad-Sammler aus Bayern die Horex ab“, erzählte er schwärmend. Er bastelte an vielen Mofas und Rollern, dazu gehörte auch eine NSU Super Lux, die er wieder fertigstellte. „Ich mach es immer nach dem Motto ‚learning by doing‘ und damit bin ich ganz gut gefahren“ resümiert er sein schönes Hobby.

Tachometer mit zwei Lampen und dem Kilometerzähler, das sind alle Informationen für den Fahrer.

Noch heute sind nach dem Aussagen des Heinkel-Clubs, etwa 3000 Heinkel-Roller in Deutschland fahrbereit, neun sind es im Raum Warstein, Rüthen, Soest und Möhnesee und einer davon steht in einer Garage an der Külbe. In den 1960er Jahren fuhr jeder, der sich ein Auto nicht leisten konnte einen Roller, man nannte es auch Einspurauto. Es gab sie in verschiedenen Farben, sogar die Polizei und die Post fuhren Heinkel-Roller in beige und postgelb. Der „kleine Mann“ fuhr mit seinem Roller in Urlaub, überquerte die Alpen bis nach Italien an die Adria. Doch es war im Vergleich zu heute kein Vergnügen, es war einfach anstrengend, es war etwas für Hartgesottene.

Wenn der Vergaser eingestellt und das Wetter es erlaubt, dann wird Seidel mit dem Roller zum TÜV fahren und ihn für eine Neuzulassung vorstellen. Sehr wahrscheinlich wir er seinen Heinkel-Roller als historischen Roller anmelden. „Nur das `H` am Nummernschild hat etwas besonderes und damit zu fahren, darauf freute ich mich jetzt schon!“, so der Hobbybastler. 

(msp)

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