Renovierungsarbeiten an der Kreuzkapelle beginnen – Lange Geschichte der Kapelle

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Schon seit einigen Tagen wird an der Kreuzkapelle in unmittelbarer Nähe der Bundesstraßen 55 und 516 gearbeitet. Zunächst wurden von einem Unternehmen im Auftrag von Straßen-NRW mit schwerem Gerät Büsche und Bäume geschnitten oder ganz beseitigt. Übergangslos arbeitet seit Mittwoch dort Garten- und Landschaftsbauer Matthias Friederizi im Auftrag der Kirchengemeinde St. Pankratius Belecke an der Kreuzkapelle und legt die Fundamente frei.

Renovierungsarbeiten beginnen an der Kreuzkapelle

Diese Arbeiten sind dringend notwendig, da nach der Verlegung der Bundesstraße 516 vor einigen Jahrzehnten, das Erdreich an der Nordseite ohne Schutzmassnahmen nur angeschüttet wurde. Deshalb konnte Regen- und Grundwasser ungehindert ins Fundament und Mauerwerk eindringen. Mit immensen Folgeschäden am Putz- und Mauerwerk. Nun haben die Verantwortlichen der Kirchengemeinde, die Eigentümer der Kapelle ist, zusammen mit Architekt Hans-Ulrich Blecke einen Plan zur Renovierung der Kreuzkapelle erarbeitet. Nachdem der gesamte Bereich um die Kapelle freigelegt und abgetrocknet ist, werden von Fachunternehmen der Außenputz neu aufgebracht. Und damit auch in Zukunft das Mauerwerk keine Feuchtigkeit aufnehmen kann, wird mit L-Steinen die Böschung abgestützt und ein kleiner Gang um die Kapelle errichtet.

Das Erdreich um die Kapelle wird ausgebaggert.

Die Kreuzkapelle in einer Innenansicht. Deutlich sind in der Kapelle hinter dem Altar die Spuren der durchnässten Außenwand zu sehen.

Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind werden im Innenbereich der kleinen Kapelle alle notwendige Putz- und Malerarbeiten durchgeführt. Gleichzeitig wird das Fachwerk im Eingangsbereich komplett erneuert. Wenn es nach den Vorstellungen der Verantwortlichen geht werden die Arbeiten im Sommer 2018 abgeschlossen sein.

Die Kapelle, die man früher auch Siechenkapelle nannte, hat eine sehr lange Geschichte. Erstmals wurde sie bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts erwähnt und nachdem sie verfallen war, an dieser Stelle um 1724 neu errichtet. Menschen die an schwersten Krankheiten litten, zog es in diese Kapelle und sie badeten in der nahen Heilquelle, dem heutigen Kaiser-Heinrich-Bad um Linderung zu erlangen. Sie beteten in der Kapelle vor dem Kreuz mit der Reliquie vom Kreuz Jesu. Unzählige Menschen aus der nahen und weiten Umgebung pilgerten über Jahrhunderte zu diesem Kreuz, dem man Wunder zuschrieb. Bis vor einigen Jahrzehnten noch, hingen viele Krücken an den Wänden der Kapelle, sie zeugten von der Heilung der Kranken.

Im siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763, man denkt dabei vor allem an Friedrich dem Großen, den Alten Fritz. In unserer Gegend kam es nicht zu großen Schlachten, aber die Städte und Dörfer mussten trotzdem leiden. Die Bevölkerung versorgte die Soldaten mit Nahrung und gab ihnen Geld. Die Kreuzkapelle, sie lag strategisch günstig an der alten Koblenz-Mindener Chaussee diente in dieser Zeit als Pulvermagazin.

Bis vor einigen Jahren führte die Bundesstrasse 516 nördlich an der Kapelle vorbei.

 

In der Zeit von 1922 bis 1932 gab es in Belecke ein Gymnasium im alten Gasthof „Ulrich“ in direkter Nachbarschaft der Kreuzkapelle, eine Privatschule für „Spätberufene“. Kaplan Bernhard Zimmermann aus Allagen hatte den Wunsch eine Schule für junge Männer zu gründen, die Abitur machen wollten um dann Theologie zu studieren. Sie nutzten die Kreuzkapelle täglich für ihre Messen. Später verlegte man die Ausbildung von Belecke nach Bad Driburg.

Direkt neben dem ehemaligen Klemensheim ist rechts die Kreuzkapelle zu sehen, hier feierten die Theologiestudenten in den 1920er Jahren ihre Messen mit Kaplan Bernhard Zimmermann.

Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl in Belecke durch Flüchtlinge und Vertriebene stark an. Dadurch nahm auch die Zahl der evangelischen Gläubigen zu und in der Kreuzkapelle feierten sie ihre ersten Gottesdienste, 1953 bauten sie ihre Christuskirche am Hesenberg.
Text: Michael Sprenger, Fotos: Michael Sprenger und sein Archiv

 

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