Drewer Steinbruch – ein Naturparadies der besonderen Art

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Das Gemeinschaftsprojekt „Steine und Mehr“ der Kommunen Geseke, Anröchte und Warstein hat eine 114 Kilometer lange Radroute realisiert. An markanten Punkten wie zum Beispiel der Abbruchkante am Drewer Steinbruch wurde ein Aussichtscontainer aufgestellt. Die Rückseite des Containers ermöglicht dem Besucher einen Blick auf den mit Wasser gefüllten Steinbruch. Von den 1830er Jahren bis 1942 wurden hier 1,2 Millionen Tonnen Steine für den Straßenbau gebrochen. Beim damaligen Abbau der Kalksteine trafen Arbeiter auf eine Quelle und nach nur wenigen Tagen war der Steinbruch mit Wasser gefüllt. Für die Arbeiter eine Katastrophe denn sie verloren ihren Arbeitsplatz.

Bis in die 1970er Jahre nutzten zahlreiche Belecker und Dreweraner den Steinbruch als Badeanstalt. Er galt als echter Geheimtipp. Ein einmaliges Erlebnis in so tiefem, klarem und kaltem Wasser zu schwimmen und zu tauchen. Mehrmals wurden neue Zäune gezogen, der Steinbruch abgeschlossen und der Zutritt strengsten verboten. Doch alle Absperrvorrichtungen hinderte die Schwimmer nicht daran das Gelände zu betreten. In den warmen Sommermonaten war immer wieder Badebetrieb. Erst 1997 wurde dieses Gebiet von der Bezirksregierung Arnsberg zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Steinbruch wurde entrümpelt, gereinigt und mit einem festen Zaun umschlossen. Der Zutritt ist bis heute nur durch ein massives Gittertor möglich.

Besonders felsbrütende Vogelarten, Fledermäuse und Amphibien fühlen sich seit dieser Zeit ungestört heimisch. Der Drewer Steinbruch ist ein gutes Beispiel für Renaturierung ehemaliger Steinbrüche. Läßt sich der Besucher vom Containerausblick genügend Zeit wird er über der Wasseroberfläche kreisende Fischreiher oder Kormorane erkennen. Für diese ist das Biotop ein gedeckter Tisch mit verschiedenartigen und zahlreichen Fischen.

Der Eingang führt durch einen Tunnel. Der Eintretende sieht aus der Dunkelheit kommend nur grüne Vegetation. Laubbäume überragen alles, sie wachsen wie zufällig gepflanzt. Den Steinbruch zu betreten ist mit einem sehr ergreifendem Gefühl verbunden. Der Mensch ist wirklich ein Fremder in einer Welt von Tieren und Pflanzen. Menschen sind hier nur Gast.

Ein sehr schmaler, schlammiger Weg führt durch Dickicht. Der Blick auf Wasser und hohe Felsen wird erst jetzt frei. Endlich schweift der Blick über die riesige Wasseroberfläche bis hin zu den steilen Felswänden. Senkrechte Felsen, große Überstände mit scheinbar losem Gestein, als würde es bei leichtem Wind ins metertiefe Wasser stürzen. In einigen Felsspalten wachsen Birken und Buschwerk. Zahlreiche Nester von Dohlen und Singvögeln sind ebenfalls zu erkennen. Links ein schmaler Pfad, nur etwa 50 Meter durch Strauchwerk, endet an einer Landzunge. Hinter Ahornbäumen mit ihren ausladenden Ästen die über dem Wasser zu schweben scheinen, wieder die steile Felswand. Hoch oben am Ende der Felswand ist der Besuchercontainer auszumachen. Das tiefe Wasser schimmert dunkelgrün in der Sonne. Der Besucher beobachtet nach längerem schauen die ersten Fische, die hier ungestört ihre Runden drehen. Natürlich leben in diesem Kleinod auch unzählige Insekten. Libellen, Wespen, Hummeln und Schmetterlinge fühlen sich in der Sonne wohl und fliegen von Blüte zu Blüte. Auch ein Wasserfrosch sonnt sich, bläst seine Backen auf und quakt. Bei Windstille spiegelt sich die atemberaubende Felswand braun und grau in der Wasseroberfläche.

Dieser Ausblick auf Felsen, Wasser und Bäume ist einmalig und einzigartig. 

Auf dem Rückweg zum Ausgang sind Reste der damaligen Nutzung zu erkennen. Betonplatten und aus losem Gestein aufgerichtete Wände zeigen, dass sich hier wahrscheinlich Maschinen- oder Lagerräume des Steinbruchs befanden.

All dies hat sich inzwischen die Natur zurückerobert.

Text und Fotos: Michael Sprenger 

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