The Beatles Revival Band an Stütings-Mühle

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eine Fotoreihe von Michael Sprenger

v.l. Paul, Oliver Bick, bass, vocals; George, Claus Fischer, guitars, vocals; Ringo, Gilbert Foede, drums, vocals; John, Christopher Tucker guitars, vocals

 

Text: Stina Bange
Es war ein Abend im Wechselbad der Gefühle – und das in mehr als einer Hinsicht. Schon seit einem dreiviertel Jahr liefen auf Seiten der Kulturinitiative die Planungen für das Beatles-Revival-Konzert auf Hochtouren, am Samstagabend war es dann endlich so weit. Nachdem das „zweite Original“ aus Frankfurt bereits vor fünf Jahren zum ersten Mal in der Warsteiner Welt gastierte und zahlreiche Beatlemaniacs auf eine vielseitige Zeitreise in die 60er und frühen 70er Jahre entführt hatte, war für das Team der Kulturinitiative schnell klar gewesen: Das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein!

Und welcher Anlass wäre für ein Revival des Revivals schon passender gewesen, als zwei Jubiläen auf einen Schlag? Hatte die Tribute-Band aus Frankfurt noch im vergangenen Jahr selbst ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert, kam es 10 Jahre zuvor, am 19. Mai 1967, in der Londoner Chapel Street zu einem Ereignis, das auf der ganzen Welt großes Aufsehen erregte: Die Kameras der Journalisten blitzten um die Wette, als die Beatles an diesem Tag ihr neues und somit achtes Studioalbum „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ erstmalig offiziell vorstellten. Zwei besondere Ereignisse, die hier aufeinandertrafen und die man von Seiten der Kulturinitiative auch mit einem entsprechend besonderen Event in ebenso einzigartiger Location würdigen wollte. Und wo hätte man das Rad der Zeit schon besser zurückdrehen können als an Stütings-Mühle in Belecke? „So eine Atmosphäre kriegt man woanders nicht hin“, erklärte Michael Römer, erster Vorsitzender der Kulturinitiative, weshalb die Entscheidung schnell gefallen war. Wer jedoch am Nachmittag den Blick aus dem Fenster riskierte, dem war wohl eher nicht so nach „Open Air“ zumute. Blicken einem vom Sgt. Pepper‘s-Cover die „Fab Four“ in kunterbunter Farbenpracht entgegen, hätte der Kontrast nach draußen größer kaum sein können: Grau in Grau lautete hier das abwechslungsreiche Farbspiel, das von heftigen Schauern begleitet wurde – von „Here Comes The Sun“ eigentlich keine Spur.

Da war man doch eigentlich schon fest davon ausgegangen, dass das Event – wie bei schlechtem Wetter alternativ geplant – in der Aula stattfinden würde. Gegen 16 Uhr dann aber via Facebook die Gegenmeldung: „Die Vorbereitungen sind so gut wie abgeschlossen. Die Technik baut auf und die Band ist schon da. Der Kies ist sauber geregnet“, schreibt die Kulturinitiative, verbreitet die Nachricht auch über Kanäle wie Radio, elektronische Banner und viele mehr. Langsam klart es draußen tatsächlich auf. Aber die Freude hält nur kurz an – der nächste Schauer folgt. Doch pünktlich um 20 Uhr dann das, was man kaum für möglich gehalten hätte: Es ist trocken – und das soll es den gesamten Abend über auch bleiben. Petrus hat den Mut der Kulturinitiative und den Wunsch nach „Here Comes The Sun“ also doch erhört.

Und alle, die dem Wetter getrotzt haben, werden gleich zu Beginn mit einer Reise in die Hansestadt Hamburg belohnt. Echtes Star-Club-Feeling kommt auf, als auf der Bühne „My Bonnie is over the Ocean“ erklingt. „Ich freue mich, dass trotz des bedeckten Wetters so viele gekommen sind“, begrüßt „Band-Babba“ – so nennen ihn seine Band-Kollegen – und Urgestein Claus Fischer alias George Harrison danach erstmals das bestens gelaunte Publikum. Doch nach der Begrüßung auch direkt die erste Forderung: „So schnell ist auch schon der Moment gekommen, in dem wir testen wollen, ob ihr singen könnt“, animiert der Bandleader alle Fans. Doch für diese kein Problem, lautstark klinken sie sich bei „From Me to You“ ein. Damit sind die Hemmungen endgültig gefallen, die Authentizität der Revival Band hat das Publikum bereits voll und ganz in ihren Bann gezogen. Alles andere würde auch überraschen, denn als die Band sich 1976 im Frankfurter „Sinkkasten“ – damals noch in Ur-Besetzung – zum ersten Mal ins Rampenlicht wagte, war das Ganze der Plattenfirma der Beatles wohl etwas zu authentisch. Dem Quartett drohte eine Klage und das Projekt sollte fast auf Eis gelegt werden – wären da nicht Fans und Presse gewesen, die lauthals protestierten. Denn gerade einmal sechs Jahre zuvor hatte die Nachricht der Beatles-Trennung der Musikszene einen derartigen Schock versetzt, dass man sich nun umso mehr darüber freute, dass die „Fab Four“ wieder zum Leben erweckt waren.

5.8.2017

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